Ein Festival für den Pianisten Rudolf Buchbinder, ein Landestheater, das sogar die „New York Times“ auszeichnet: Beide sind Teil der Nöku (Niederösterreichische Kulturwirtschaft). Vor 25 Jahren wurde sie gegründet, jetzt spricht Geschäftführer Paul Gessl über seine Institution.
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Die Elite der Klassik gastiert im Wolkenturm in Grafenegg, wo der Weltpianist Rudolf Buchbinder seit 2007 sein eigenes Festival leitet. In Mistelbach wurde für den Jahrhundertkünstler Hermann Nitsch ein eigenes Museum errichtet. Das Landestheater St. Pölten rückt immer mehr in den internationalen Fokus: Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ließ an dem kleinen, feinen Haus anno 2019 ihre Trump-Groteske „Am Königsweg“ erstaufführen, für die „New York Times“ eine der europäischen Aufführungen des Jahres. Auch eine „Othello“-Aufführung war dem Weltblatt den Weg an die Traisen wert. Regiegiganten wie Frank Castorf schätzen die Bühne.
Drei Institutionen, die in die Welt strahlen, verbunden durch ein Konstrukt namens Nöku (Niederösterreichische Kulturwirtschaft) – gegründet vor 25 Jahren in der Amtszeit von Landeshauptmann Erwin Pröll, um dem Land Niederösterreich eine Identität als Kunst- und Kulturland zuzuordnen, erklärt Geschäftführer Paul Gessl.
Anlass für ein Symposium, das am 26. März im Palais NÖ der Frage nachgeht: „Wie viel Utopie braucht die Kunst?“


Der Wolkenturm in Grafenegg
© MILENKO BADZIC / First Look / picturedesk.comVon Krems bis an die Rax aktiv
Die Nöku wurde rasant weiterentwickelt. Zwei bis drei Kulturbetriebe wurden jedes Jahr in die Nöku-Holding aufgenommen. Heute gehören ihr 40 Betriebe an, etwa die Bühne Baden mit dem Haupthaus und der Sommerarena, die Festspiele Reichenau, das Festspielhaus St. Pölten, die Kunstmeile Krems samt Karikaturmuseum, das Donausfestival, um nur einige zu nennen.
Gessl: „Wir sind die einzige Kulturorganisation, wo Arbeitsteilung gedacht wird, wo künstlerische Leitung und Geschäftsführung getrennt sind, damit sich Künstler auf ihre Stärken konzentrieren können.“ Die Holding habe lediglich organisatorische Funktion. „Die künstlerische Positionierung bleibt bei den Kulturbetrieben. Die Führungsposten werden von der Nöku besetzt wie Maria Happel bei den Festspielen in Reichenau.


Mistelbach: Hermann NItsch (1938–2022) in seinem Museum, das 2007 eröffnet wurde
© David Visnjic / dpa / picturedesk.comVom Landestheater in die Höchstliga
Über die Jahre sei Niederösterreich, das Burgenland ausgenommen, das einzige Bundesland gewesen, das kein eigenes Landestheater hatte. Dann erstellten namhafte Theaterleute das Konzept. Heute ist das Haus ein Sprungbrett in die oberste Liga: Direktorin Bettina Hering wechselte zu den Salzburger Festspielen, ihre Nachfolgerin Marie Rötzer übernimmt in der übernächsten Spielzeit die Josefstadt.
Als 2023 die Koalitoin von ÖVP und FPÖ die Regierung in Niederösterreich übernahm, drückten Robert Menasse, David Schalko, Josef Hader und Florian Scheuba, um nur einzige zu nennen, in einem Protestbrief ihre Sorge aus. Zu Recht, denn es gab sogar Initiativen gegen das Nitsch-Museum. Prölls Nachfolgerin Johanna Mikl-Leitner unterband als Ressortinhaberin diese Absichten. Auch Sparkurse seien derzeit keine zu befürchten, sagt Gessl. Das klingt schon fast nach utopischen Zuständen.


Reichenau: Niederösterreichs größtes Sommertheater-Festival wird seit 2022 von Maria Happel geführt
© Festspiele ReichenauDieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 12/25 erschienen.