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Marktforscher Wolfgang Richter vom Beratungsunternehmen RegioPlan ortet bei vielen verschwundenen Markenunternehmen Managementfehler, etwa beim Handelsriesen Konsum und bei den Familienunternehmen Sport Eybl, Baumax und Kika/Leiner. Diese Unternehmen seien nicht von Mitbewerbern aus dem Markt gedrängt worden, erklärte der RegioPlan-Chef im APA-Interview. Manche gescheiterten Firmen hätten auch ihren Betriebstypus nicht den geänderten Konsumgewohnheiten angepasst. Als Marken-Erfolgsbeispiele "made in Austria" führte Richter Red Bull, Swarovski, Spar und XXXLutz an.
Die steigende Marktkonzentration durch Markensterben lässt sich gut im heimischen Lebensmittelhandel beobachten. Die Insolvenz des genossenschaftlichen Konsum Österreich (Supermärkte, Forum-Kaufhäuser, Gerngross) erschütterte im Jahr 1995 die heimische Wirtschaft. Österreichs damals größter Lebensmittelhändler wurde zerschlagen und die über 600 Filialen zwischen Adeg, Billa, LÖWA, Meinl und Spar aufgeteilt. 1996 verkaufte der Gründer von Billa, Bipa und Merkur, Karl Wlaschek, seinen Handelskonzern an die deutsche Rewe-Gruppe. Bis 1998 verschwanden alle LÖWA-Märkte und wurden in Zielpunkt umbenannt. 2000 zog sich die Julius Meinl Gruppe aus dem Supermarktgeschäft (Julius Meinl, Pampam und Jééé-Diskont) zurück und verkaufte die Filialen in Ostösterreich an Spar und in Westösterreich an Billa. 2003 stellte Rewe seine Diskontermarke in Österreich von Mondo auf Penny um.
Im Lebensmittel- und Drogeriehandel ging der Konzentrationsprozess in den 2010er-Jahren weiter. Im Jahr 2013 meldete dayli (vormals Schlecker) Insolvenz an. Der oberösterreichische Lebensmittelgroßhändler C+C-Pfeiffer wurde 2016 an die Schweizer Transgourmet verkauft und die Pfeiffer-Tochter Zielpunkt ging im selben Jahr in Konkurs. Profiteure der Marktkonzentration in Österreich sind die vier größten Lebensmitteleinzelhändler. Spar, Rewe, Hofer und Lidl kamen zuletzt auf einen Marktanteil von über 90 Prozent. Zum Vergleich: In den 1970er-Jahren erreichten Konsum, Spar und der Zusammenschluss der Greisler (KHG) nur eine Marktabdeckung von über 40 Prozent.
Die steigende Übermacht der Möbelketten Ikea, Kika/Leiner und XXXLutz in den 1990er- und 2000er-Jahren ließ manch kleineren Möbelhändler aufgeben, etwa Michelfeit (2000) und Schwaighofer (2002). Mit dem Konkurs von Kika/Leiner verabschiedete sich der drittgrößte Möbelhändler in Österreich Ende Jänner 2025 vom Markt. XXXLutz deckt laut Branchenbeobachtern zuletzt 35 Prozent des heimischen Marktes ab, gefolgt von Ikea mit rund 20 Prozent und dem Fachhandel mit 12 Prozent. Die Dominanz der XXXLutz-Gruppe, zu der auch Möbelix und Mömax gehören, werde weiter wachsen in Richtung 40 Prozent, sagte der Vertreter der Möbelfachhändler, Christian Wimmer, kürzlich gegenüber dem ORF-Radiosender "Ö1".
Im Mode- und Schuhhandel verschwanden in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Marken in Österreich, etwa Gazelle (2007), Ergee (2008), Schöps (2009), Don Gil (2011), Stiefelkönig (2018), Pimkie (2021), Orsay (2022), Delka, Salamander (beide 2023) und Esprit (2024). Die Schwäche der Konkurrenz ließ den Marktanteil von Deichmann, H&M, Primark und Zara steigen. Die heimische Elektronikkette Niedermeyer musste Insolvenz anmelden und schloss 2013. Nach der Übernahme von Sport Eybl & Sports Experts durch den britischen Sporthändler Sports Direct im Jahr 2014 wurde die Marke Sport Eybl im Jahr 2017 endgültig eingemottet. Die Baumarktkette Baumax übernahm sich mit ihrer Osteuropa-Expansion und wurde 2015 auf Betreiben der Gläubiger zerschlagen. Den Großteil der Baumax-Filialen in Österreich übernahm die deutsche Handwerkerkette Obi.
Die Liberalisierung des österreichischen Telekommunikationsmarktes in den Jahren 1996 und 1997 ließ in den folgenden zehn Jahren viele neue Festnetz-, Mobilfunk- und Internetprovider-Marken entstehen. Viele Anbieter wurden von Großkonzernen wieder übernommen und verschwanden, etwa max.mobil (2002), Netway (2002), UTA (2007), One (2008), Silver Server (2012), UPC (2019) und Tele.ring (2020). Die Marken der Internetanbieter YLine (2001) und Cybertron (2002) verschwanden nach ihrer Insolvenz. A1 Telekom Austria, T-Mobile Österreich (Magenta) und Hutchison Drei Austria kamen im Bereich Mobilfunk zuletzt auf einen Marktanteil von über 80 Prozent.
Auch in der österreichischen Bankenbranche hat sich seit den 1990er-Jahren viel getan. Durch Bankenfusionen gingen mehrere Marken verloren, etwa Zentralsparkasse, Länderbank (1991), Österreichisches Credit-Institut (1992), GiroCredit (1997) und Creditanstalt (2008). Nach staatlichen Rettungsaktionen und der Abwicklung verschwanden die Hypo Alpe Adria (2014) und die ÖVAG (2016). Nach Bilanzfälschungen wurde die Commerzialbank Mattersburg im Jahr 2020 zwangsweise geschlossen. Nachdem die Anglo Austrian AAB Bank (zuvor Meinl Bank) 2019 ihre Banklizenz verlor, wurde das Institut im Jahr 2021 aufgelöst.
Der Anzeigenschwund und rückläufige Abonnentenzahlen haben in den vergangenen Jahrzehnten den heimischen Medienunternehmen zugesetzt. Einige Medienmarken sind verschwunden, etwa die Arbeiterzeitung (1991), die Wochenpresse (1993), Basta (1994), Format (2015) und Wirtschaftsblatt (2016). Die Wiener Zeitung als bis dahin älteste noch erscheinende Tageszeitung der Welt gibt es seit Mitte 2023 nicht mehr. Der Großteil der digitalen Werbeeinnahmen geht an Google, Meta (Facebook) und ByteDance (Tiktok) und nicht an die Medien. Filme und Musik werden hierzulande immer öfter via den Streaming-Riesen Netflix, Amazon und Spotify konsumiert anstatt über österreichische oder europäische Medienmarken.
++ THEMENBILD ++ ZU APA0126 VOM 29.1.2025 - Das Logo der Möbelkette "Leiner" und ein Einfahrtsverbots-Schild aufgenommen am Mittwoch, 29. Jänner 2025, in Salzburg. Der Möbelhändler Kika/Leiner schließt nach dem Konkurs heute endgültig auch die verbleibenden Filialen in Österreich.