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Mit den neuen US-Zöllen wird sich der erwartete Rückgang des heimischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) heuer laut vorläufiger IHS-Modellrechnung auf 0,4 Prozent belaufen. Ein stärkerer Rückgang der Wirtschaftsleistung lässt auch das staatliche Budgetdefizit steigen. Nicht nur die US-Zölle, sondern auch die Abkühlung der Weltwirtschaft treffe Österreich, sagte der IHS-Außenhandelsökonom Klaus Weyerstrass zur APA. Der Weltwährungsfonds prognostizierte im Jänner noch ein Wachstum der Weltwirtschaft 2025 von 3,3 Prozent. Weyerstrass erwartet durch die US-Zölle heuer um 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte geringeres Weltwirtschaftswachstum und 2026 um 0,5 Prozentpunkte weniger Wachstum weltweit.
In Europa erwartet der IHS-Außenhandelsökonom "kaum" einen Effekt auf die Inflationsrate. Einen weiteren negativen wirtschaftlichen Impact für Europa werde es aber durch die Umleitung von Warenströmen durch die US-Zollpolitik geben, etwa eine zusätzliche Warenschwemme aus Asien. Für die USA rechnet Weyerstrass mit einer höheren Inflationsrate und einem geringeren Wirtschaftswachstum durch weniger Konsum und verunsicherte Konsumenten. Das von US-Präsident Trump verkündete Zollpaket würde den durchschnittlichen US-Zollsatz auf das höchste Niveau seit den 1940er-Jahren heben, verwies der IHS-Außenhandelsökonom auf Daten der US-amerikanischen Tax Foundation.
Die am gestrigen Mittwoch angekündigten US-Importzölle heißen "nichts Gutes" für die Beschäftigten in der europäischen Autoindustrie, sagte dann der Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts Wifo, Gabriel Felbermayr, im Ö1-"Mittagsjournal". Anders als in den USA dürfte sich der anbahnende Handelskrieg in Europa vorrangig am Arbeitsmarkt bemerkbar machen und könnte kurzfristig auch zu Preisrückgängen führen. Führt die EU Gegenzölle ein, könnten aber auch hier die Preise steigen.
Wenn die US-Nachfrage nach europäischen Produkten aufgrund der Zölle sinke, würden die Waren eher in Europa bleiben und könnten dort kurzfristig für Preissenkungen sorgen. Vor allem seien die Zölle aber "ein weiterer Schlag" gegen die Industrie.
Für mögliche Gegenmaßnahmen der Europäer würden sich die US-amerikanischen Digitalkonzerne anbieten. Hier könne man die "Amerikaner dort treffen, wo es weh tut", so Felbermayr. Konkret nannte der Wifo-Chef eine EU-weite Umsatzsteuer auf digitale Werbeeinnahmen. Allerdings - anders als bei Zöllen sei bei Steuerfragen in der EU die Einstimmigkeit unter den 27 Mitgliedstaaten nötig. Zudem würde dies auch europäische Verbraucherinnen und Verbraucher treffen, wenn zum Beispiel Streaming-Abos teurer werden.
Europa solle nicht in Panik schnelle Gegenmaßnahmen ergreifen, sondern überlegt vorgehen. Für etwaige Verhandlungen mit der US-Regierung müsse man sich auch überlegen, was man den Amerikanern im Gegenzug anbieten könne.
Auch aus Sicht des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) wird die Verschärfung der US-Zollpolitik die österreichische Wirtschaft hart treffen. "Zu erwarten ist, dass sich die Rezession vertiefen wird", sagte der wiiw-Handelsökonom Robert Stehrer im Gespräch mit der APA. Mit Zöllen von 20 Prozent würden die EU-Ausfuhren in die USA sinken, was auch die österreichischen Exporteure beeinträchtigen werde. "Das ist inmitten des Negativwachstums ein weiterer Schlag für die Wirtschaft."
Derzeit machen die EU-Ausfuhren in die USA laut Stehrer rund 7 Prozent der europäischen Gesamtexporte aus. Für die österreichischen Produzenten stelle sich damit die Frage, ob sie andere Absatzmärkte für ihre Produkte finden könnten. Die Inflation in der Europäischen Union dürfte sich wegen der US-Maßnahmen allerdings nicht erhöhen. "Wenn wegen der Zölle versucht wird, Produkte verstärkt in Europa abzusetzen, dürfte dies sogar eher inflationsdämpfend wirken", so der wissenschaftliche Leiter des wiiw.