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Scheidung, Geheimvilla, Millionendarlehen: Turbulenzen im Hause Benko

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8 min

Nathalie und René Benko

©Felix Hörhager / dpa / picturedesk.com
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Das Private sollte eigentlich privat bleiben. Doch im Fall Benko verschwimmen die Grenzen immer wieder. Gemeinsame Immobiliengeschäfte, ein luxuriöser Lebensstil und nun eine mögliche Scheidung der Benkos – eine Spurensuche.

Während René Benko in Wien weiter in Untersuchungshaft verweilt, hat seine Ehefrau Nathalie Benko die gemeinsame Villa in Innsbruck-Igls mit Kind und Kegel hinter sich gelassen. Sie zog offenbar in die „alte“ Millionenvilla der Benkos.

Noch vor der Kaskade an ­Insolvenzen im einstigen Benko-Reich mieteten die Benkos die Villa schon vorsorglich an. Die Miete wurde am 6. Oktober 2023 in Höhe von 360.000 Euro vorausgezahlt. Durchgeführt von ­Benkos Schwester. Später, im Jahr 2024, sollte René Benko aus dem Mietvertrag aussteigen. Offenbar im Rahmen seines ­eigenen Insolvenzverfahrens als Unternehmer, wie aus einem News vorliegenden Brief an seinen Insolvenzverwalter hervorgeht.

Family Business

Die in Lausanne in der Schweiz geborene Nathalie Benko arbeitete einst als Assistentin für René Benko in der Signa Holding. Und sollte ab dem Jahr 2009 nicht nur privat eine wichtige Rolle in seinem Leben einnehmen, als Mutter von drei weiteren seiner Kinder. ­Nathalie Benko nahm vor allem in den Anfangsjahren der Signa eine gewichtige repräsentative Rolle an der Seite des Signa-­Gründers ein. Ob gemeinsame Partys mit dem israelischen Diamantenhändler Beny Steinmetz oder gemeinsame Abende mit der mittlerweile verstorbenen US-Sängerin Tina Turner und ihrem Schweizer Freundeskreis – Frau Benko sollte dabei sein, wenn Herr Benko ­Investoren für sein Immobiliengeflecht gewinnen wollte.

Auch ihr Bruder sollte zeitweise im Unternehmen angestellt werden, um dann später im Innsbrucker Signa-Kaufhaus Tyrol als Gastro-Unternehmer die Café-Bar Centrale zu betreiben. Das ganze unter Beteiligung der Laura Privatstiftung. Eine offensivere Selbstvermarktung in den sozialen Medien blieb Nathalie Benko scheinbar verwehrt. So wurde ein professionell gemanagter ­Account auf der Plattform Instagram nach kurzer Zeit und einem Artikel in der deutschen Bild-Zeitung bald ­wieder deaktiviert.

Der Frust dürfte sich bei Nathalie Benko vermutlich in Grenzen gehalten haben. Bereits zu Beginn der Partnerschaft sollte der Tiroler Immo-Jongleur seiner Frau nicht nur Expertise, sondern auch Kapital für den Aufbau eines ­Immobilienportfolios bereitstellen. Der Aufbau einer eigenen Struktur unter dem Firmennamen NB Immo (für: ­Nathalie Benko) sollte dabei zügig erfolgen. Die Auswahl der Immobilien und die Aufstellung der notwendigen Bankfinanzierungen erledigte der Geschäftsführer der Signa Holding, Marcus ­Mühlberger, in einer seiner vielen Rollen. In diesem Fall als Geschäftsführer der NB Immo GmbH. Bis in den Spät­herbst 2023. Mit dem Kollaps der ­Signa Holding musste Mühlberger auf Bitten von Benko seinen Hut nehmen. So schreibt Benko an Mühlberger gegen Mittag des 29. November 2023:

„Es stehen in den kommenden Wochen und Monate schwierige und intensive Zeit an die uns alle aber vor allem auch die Dich als Geschäftsführer der SIGNA Holding zeitlich massiv in Anspruch nehmen werden und auch Deinen gesamten Fokus brauchen. Deshalb macht es Sinn, wenn Du Deine bisherige und aktuelle Tätigkeit als zweiter Geschäftsführer der NB Immo GmbH abgeben kannst und Dich voll auf SIGNA konzentrierst.“

Gesagt, getan. Mühlberger trat zurück und Nathalie Benko ist bis heute alleinige Gesellschafterin und Geschäftsführerin.

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EIGENES PORTFOLIO: Über Jahre schuf sich ­Nathalie Benko ein millionenschweres Immobiliennetz unter Mithilfe ihres Mannes

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BEGÜNSTIGTE:

Noch kurz vor dem Signa-Kollaps ließ René Benko seine Frau zur „Erstbegünstigten“ in seiner diskreten Liechtensteiner Stiftung machen

Steter Aufbau

Ab dem Jahr 2014 ging Marcus Mühl­berger, Benkos Mann für das Schattenreich, auch für Nathalie Benko einkaufen. Im Visier hatte der Ostdeutschland-affine Mühlberger Immobilien im deutschen Bundesland Sachsen. So wurde in Chemnitz nach lukrativen Wohnhäusern Ausschau gehalten. Für die Laura Privatstiftung und eben für NB Immo. Stück für Stück wuchs der Immobilienbestand weiter an, wie aus einer News vorliegenden vertraulichen Übersicht hervorgeht. Für mehrere Millionen Euro wurden zehn Zinshäuser aufgekauft. Neben einigen Immobilien in Innsbruck hat es den Benkos wohl ­besonders die spanische Balearen-Insel Ibiza angetan.

Geheimvilla

Während das Signa-Imperium schon ­gehörig unter Druck kam, investierte ­Nathalie Benko diskret in eine Luxus­villa auf Ibiza, wie News-Recherchen im Jänner 2025 ergeben haben. Im Mai 2022 kaufte sie die in die Jahre gekommene „Villa March“ samt 10.000-Quadratmeter-Grundstück für 7,7 Millionen Euro – finanziert mit 6,1 Millionen Euro aus ihrem Vermögen und 2,4 Millionen Euro aus einem Darlehen der Laura Privat­stiftung. Zusätzlich stellte die Stiftung drei Millionen Euro für den Umbau bereit – zu einem Zeitpunkt, als die Signa-­Gruppe bereits in massiven Zahlungsschwierigkeiten steckte.

Für die Renovierung engagierte ­Nathalie Benko das Architekturbüro von Rolf Blakstad, um die Villa auf Luxusniveau zu bringen. Trotz des Zusammenbruchs der Signa-Gruppe kümmerte sich René Benko persönlich um die Details. In einer E-Mail vom 24. Dezember 2023, kurz nach der Insolvenz seiner wichtigsten Signa-Gesellschaften, informierte er Blakstad über bereits geleistete Zahlungen von jeweils 250.000 Euro und bot schnelle weitere Überweisungen an – unter der Bedingung gewisser Sicher­heiten für die Fertigstellung. Brisant: Er unterzeichnete die Nachricht mit dem Namen seiner Frau, Nathalie Benko.

Abgesehen von dieser Luxus-Finca waren die Benkos schon früher auf Ibiza als Käufer aktiv geworden. So besitzt eine Gesellschaft im Einfluss von ­Nathalie Benko bereits die „Villa Bora“, die sich in der gesicherten Wohnanlage Vista Alegre an der Westküste der Insel befindet. Die 300 Quadratmeter große Villa erstreckt sich über zwei Ebenen und bietet einen beheizten Salzwasserpool, einen Jacuzzi sowie einen Panoramablick auf das Meer. Sie wird von der spanischen Gesellschaft NB Luxury ­Assets gehalten. Die Immobilie wurde regelmäßig auch zur Vermietung an­geboten – zu einem wöchentlichen Mietpreis ab 10.000 Euro.

Diskretes Millionendarlehen

Im Netz von Hunderten Gesellschaften und verschiedenen Sphären kann man im Benko-Konstrukt schon mal den Überblick verlieren. So lässt sich auch das Immobiliengeflecht der Frau nicht von den restlichen Bereichen der Signa und den Stiftungen abtrennen. Allein ein News vorliegender vertraulicher Kreditvertrag zwischen Laura-Stiftung und NB Immo aus dem Oktober 2023 zeigt, wie offenbar etliche Millionen aus dem Schattenreich Benkos in die Sphäre der Frau geflossen sind. Am 5. Oktober 2023, während Benko verzweifelt versucht, noch Geldgeber für die Signa-­Gruppe zu finden und letztlich scheitert, wird ein seit Juli 2023 bestehender Kreditvertrag über acht Millionen Euro weiter aufgestockt. Auf zwölf Millionen Euro. Mit einer Laufzeit bis 31. Dezember 2043.

Für diese und weitere Verflechtungen interessieren sich mittlerweile auch Ermittler und Insolvenzverwalter. Selbst die versuchte Eröffnung eines Kontos zur Abwicklung von Deals zwischen der Laura-Stiftung und Nathalie Benko löste bereits eine Geldwäscheverdachtsmeldung durch das Bundeskriminalamt aus. Der Spielraum wird scheinbar geringer. Von Woche zu Woche.

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 12/25 erschienen.

Causa René Benko

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