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Der am Finanzmarkt maßgebliche Einlagensatz, den Geldhäuser erhalten, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken, würde dadurch von 2,75 auf 2,50 Prozent sinken. Der weitere Zinspfad dürfte jedoch weniger klar sein. Denn das Hin und Her im Handelskrieg mit den USA, die Aufrüstung in Europa und das in Deutschland geplante riesige Finanzpaket machen den Ausblick für Inflation und Wirtschaftswachstum immer unsicherer.
Die Euro-Wächter um EZB-Chefin Christine Lagarde wollen ihren Zinsbeschluss am Nachmittag um 14.15 Uhr veröffentlichen. Im Anschluss daran steht Lagarde ab 14.45 Uhr Medien Rede und Antwort. Eine zentrale Frage dürfte sein, wie die EZB die Konjunktur- und Inflationsentwicklung bewertet. Hilfestellung dürften neue Wirtschaftsprognosen der EZB-Volkswirte liefern, die allerdings auf Daten beruhen, die bereits einige Wochen alt sind. Erwartet wird eine weitere Absenkung der Wachstumsprognose und eine Anhebung der Inflationsvorhersage für dieses Jahr. Lagarde dürfte darüber hinaus danach befragt werden, wie sie den weiteren Zinspfad der Notenbank einschätzt.
Denn vor kurzem hatte sich EZB-Direktorin Isabel Schnabel für den Beginn einer Debatte darüber ausgesprochen, wann die Notenbank ihren Zinssenkungskurs pausieren oder stoppen sollte. Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist, ob die EZB das Zinsniveau immer noch als restriktiv einstuft - also als konjunkturbremsend. Sollte sie in ihrer Mitteilung entsprechende Formulierungen streichen, könnte dies als Hinweis darauf gewertet werden, dass der weitere Kurs jetzt noch unsicher geworden ist. Entsprechend genau wird auf Lagardes Wortwahl geachtet werden.
Zuletzt hatte die Euro-Notenbank das neutrale Zinsniveau, das die Wirtschaft weder bremst noch anheizt, in einer Spanne von 1,75 bis 2,25 Prozent verortet. Davon ist sie nicht mehr weit entfernt. Am Finanzmarkt wird damit gerechnet, dass der Einlagensatz zum Jahresende bei 2,00 Prozent liegen wird.