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Renaissance der Börsen: Europäische Aktien holen auf

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Nach Jahren des Rückstands zeigen Europas Märkte wieder Stärke – und könnten auf längere Sicht von Strukturwandel, Regulierungskorrekturen und Bewertungsabschlägen profitieren.

Noch vor wenigen Monaten galten europäische Aktien als träge, überholt von US-Techgiganten und eingebremst durch Regulierung, Demographie und Fragmentierung. Doch seit Jahresbeginn hat sich das Bild gedreht. Der MSCI Europa legte von Januar bis Mitte März um satte zwölf Prozent zu, während US-Aktien im gleichen Zeitraum einen Rückgang von rund fünf Prozent verzeichneten. Was wie ein kurzfristiges Strohfeuer wirkt, könnte sich als Beginn eines strukturellen Wandels entpuppen.

Kapitalmarktexperte Tilmann Galler von J.P. Morgan Asset Management sieht im aktuellen Momentum einen tiefgreifenden Trendwechsel. Seiner Einschätzung nach bieten europäische Aktien weiterhin einen Bewertungsabschlag gegenüber US-Titeln – und damit Potenzial für weitere Kursgewinne. Die Schwächen der letzten Dekade, darunter eine ungünstige Branchenstruktur und restriktive Finanzpolitik, wandeln sich langsam zu Wettbewerbsvorteilen.

Von „MAGA“ zu „MEGA“ – Europas Reaktion auf die USA

Ausgerechnet die protektionistische „America First“-Politik der vergangenen Jahre könnte sich als Katalysator für europäische Reformen erweisen. Während die USA mit Steuersenkungen und Subventionen ihre Wirtschaft stützten, betrieb die Eurozone Haushaltsdisziplin. Das Ergebnis: Während die US-Staatsverschuldung gemessen am BIP um 27 Prozent stieg, sank sie in der Eurozone um drei Prozent – und schuf damit neuen fiskalischen Spielraum.

Diese Verschiebung beginnt, sich auszuzahlen. In Brüssel wächst das Bewusstsein dafür, dass ambitionierte Klimapolitik ohne internationale Koordination zum Wettbewerbsnachteil werden kann. Erste regulatorische Lockerungen wie verlängerte Fristen für CO₂-Grenzwerte in der Autoindustrie oder die geplante Entschärfung des EU-Lieferkettengesetzes markieren eine Kehrtwende. Auch in Deutschland wurde der Investitionsspielraum jüngst deutlich erweitert – eine Abkehr von der jahrelangen Sparpolitik.

Bewertungsabschlag als Chance

Während sich US-Aktien weiterhin um die Erzählung der „Glorreichen Sieben“ drehen – also der wenigen Tech-Giganten, die vom KI-Hype profitieren –, zeigt sich in Europa ein anderes Bild: Der hohe Anteil an Finanztiteln, lange Zeit ein Belastungsfaktor, entwickelt sich in Zeiten steigender Zinsen zu einem Pluspunkt. Banken profitieren von höheren Margen und stabileren Kreditrisiken.

Zwar fehlt es dem europäischen Aktienmarkt an dominanten Digitalunternehmen. Doch genau das schützt ihn derzeit vor überzogenen Bewertungen und überzogenen Erwartungen, wie sie bei vielen US-Titeln zunehmend zu einem Risiko werden. Europas Börsen handeln nach wie vor mit deutlichem Bewertungsabschlag – und genau darin liegt laut Galler das langfristige Aufholpotenzial.

Europas Kapitalmärkte zurück im Spiel

Die Kombination aus neuer fiskalischer Flexibilität, regulatorischen Anpassungen, stabilisierter Finanzbranche und geringeren Bewertungsniveaus macht europäische Aktien aktuell wieder attraktiv – sowohl für institutionelle als auch private Investor:innen. Die jüngste Outperformance könnte kein Ausreißer, sondern der Beginn eines langfristigen Trends sein.

Ob Europa tatsächlich ein neues Aktienzeitalter einläutet, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen. Doch eines ist klar: Das Comeback ist da – und die Börsen des Kontinents sind zurück auf der Überholspur.

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