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Löhne und Gehälter sollten nur dort steigen, wo es eine Arbeitskräfteknappheit gebe. "Aber gesamtwirtschaftlich ist es klar, auf Dauer ist es nicht möglich, in einer stagnierenden Wirtschaft Löhne auszudehnen", sagte Fuest im am Samstag ausgestrahlten Interview.
Das etwa von der Gewerkschaft vorgebrachte Argument, wonach die Löhne auch nun in der tiefen Krise steigen müssten, um die Kaufkraft zu halten bzw. zu steigern und mögliches Wachstum nicht abzuwürgen, teilt der Wirtschaftswissenschafter so nicht. Denn die Kaufkraft sei "derzeit nicht das Problem". Das Problem sei die Stagnation - wobei die Wirtschaft in Österreich laut Prognosen sogar ein drittes Jahr in Folge schrumpft - gepaart mit einer "ziemlich hohen" Inflation.
Die hohe Teuerung zeige, dass nicht mangelnde Nachfrage sondern mangelndes Angebot das Problem sei. "Da ist es eben so, dass Lohnerhöhungen, die weitergehen, obwohl die Unternehmen eben nicht höhere Umsätze haben oder die Erträge nicht haben, die führen dann einfach nur dazu, dass man beschleunigt Arbeitsplätze abbaut." Das war in der schrumpfenden Industrie in Österreich zuletzt auch der Fall.
Die gestiegenen Löhne führten in Österreich zuletzt nicht zu einem Schwung für die Wirtschaft durch gesteigerte Ausgaben sondern zu einer höheren Sparquote. Das ist den allgemein als unsicher empfundenen Zeiten mit ihren vielen Krisen bis hin zum russischen Krieg in der Ukraine praktisch ums Eck geschuldet. "Die Reallöhne sind gestiegen, aber die Menschen machen sich Sorgen und sparen deshalb mehr. Daran kann man schon erkennen, dass jetzt weitere Lohnsteigerungen nicht zu mehr Konsum führen. Um mehr Konsumnachfrage zu kriegen, brauchen wir Vertrauen. Das heißt wir brauchen eine vernünftige Wirtschaftsentwicklung. Einfach nur die Löhne zu erhöhen, das ist der falsche Weg."
Zum Megadefizit im Austro-Budget, Milliarden-Sparzwängen und einem möglichen EU-Defizitverfahren sagte Fuest, dass Österreich etwa die Infrastruktur und die staatliche Verwaltung verbessern müsse. "Es gibt öffentliche Aufgaben, die sind wichtig fürs Wachstum." Steuererhöhungen drückten das Wachstum. Ausgaben, die für das Wachstum nicht so wichtig sind, müssten gesenkt werden. Das könnten Pensionen sein, mit politischen Widerständen sei zu rechnen. Das müssten die politisch Verantwortlichen abwägen, sagte der Ökonom "im Journal zu Gast".