News Logo
ABO

Einsamkeit und Depression offenbar auch Demenzfördernd

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Einsamkeit ist laut Studien ähnlich schädlich für das Gehirn wie das Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag
©APA/APA/dpa/Sina Schuldt
  1. home
  2. Leben
  3. Technik
Demenzerkrankungen sind in Österreich stark im Steigen. Neben Faktoren wie Bewegungsmangel und der demografischen Entwicklung tragen auch Depressionen - hervorgerufen etwa durch Einsamkeit oder soziale Isolation - verstärkt zu Demenzfällen bei, erklärten Verantwortliche der Med Uni Innsbruck am Dienstag. Einsamkeit ist laut Studien ähnlich schädlich für das Gehirn wie das Rauchen von 15 Zigaretten pro Tag - und damit indirekt Demenz- und auch Schlaganfallfördernd.

von

Daher sei es besonders wichtig, junge Menschen für Vorbeugung zu sensibilisieren, lautete der Tenor bei einem Pressegespräch. Vizerektorin und Neurowissenschafterin Christine Bandtlow betonte, dass es sich beim Thema Gehirnerkrankungen um ein sehr wichtiges gesundheitspolitisches Thema handle: "In Österreich haben wir beispielsweise zwischen 130.000 und 150.000 Demenzerkrankungen pro Jahr." Dabei unterscheide man zwischen Alzheimer und vaskulären Demenzerkrankungen (eine neurologische Erkrankung durch Durchblutungsstörungen im Gehirn, Anm.), die beide großteils in höherem Alter auftreten. Das Thema sei deshalb so wichtig, weil sich die Zahl der Erkrankungen laut Prognosen bis 2050 verdoppeln werde, sagte Bandtlow. Ähnliches gelte für Schlaganfälle: Aktuell kommt es in Österreich zu rund 19.000 jährlich, auch hier würde sich die Zahl in den kommenden Jahren erhöhen.

"Die Gründe für diese besorgniserregenden Prognosen sind neben der demografischen Entwicklung auch bei Lebensstilentscheidungen zu finden", erklärte die Vizerektorin. Als Med Uni Innsbruck habe man sich daher vorgenommen, die Bevölkerung über mögliche Vorsorgemöglichkeiten aufzuklären. "Wir wenden uns dafür gezielt an die 30- bis 40-Jährigen, weil man in diesem Alter noch selbst einflussreiche sowie vorbeugende Maßnahmen treffen kann", erläuterte Bandtlow. In diesem Zusammenhang spielte die Top-Medizinerin auf die "Internationale Woche des Gehirns" an, die heuer in Innsbruck mit der Vorbeugung von Gehirnerkrankungen zum ersten Mal ein konkretes Motto ausgab. "Die WHO empfiehlt 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche sowie zwei Mal die Woche muskelkräftigende Übungen für Erwachsene", erklärte Katharina Hüfner, Direktorin der Universitätsklinik für Psychiatrie II. Kinder sollten sich noch mehr bewegen und Sport in der Natur sei sowieso sehr gesund für Körper und Psyche.

Abseits des Lebensstils spielen aber noch weitere Faktoren eine Rolle, die man landläufig nicht unbedingt mit Demenzerkrankungen in Verbindung bringt, nämlich psychische Erkrankungen wie Depressionen und Einsamkeit. Hüfner hielt fest, dass in Österreich eine von fünf Personen an psychischen Erkrankungen leiden würde. Häufig manifestiere sich diese bereits im jungen Alter - meistens bis zum 25. Lebensjahr. "Die häufigsten psychischen Erkrankungen sind hierbei Angststörungen und Depressionen", so die Psychiatrie-Direktorin. Die Corona Pandemie sei auch ein wesentlicher Faktor gewesen, wenn es um Einsamkeit bzw. soziale Isolation gehe. Hier müsse auch im Sinne einer Demenzprävention gegengewirkt werden. In England und Japan hätte man etwas bereits Miniserien aufgebaut, die sich mit dem Thema Einsamkeit in der Gesellschaft beschäftigen.

Neben Freundschaften und Bewegung sei auch die Ernährung ein wichtiger Aspekt bei der Gehirngesundheit. Hier sollte man darauf achten, keine sehr hoch verarbeiteten Produkte, wie zum Beispiel Tiefkühlpizza und Fertigbackwaren, zu konsumieren und sich an einer möglichst mediterranen Ernährung zu orientieren. Unter mediterraner Diät verstehe man laut der stellvertretenden Direktorin der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Susanne Kaser, insbesondere eine ballaststoffreiche Ernährung. "Das heißt, wenig tierische Produkte und vor allem pflanzliche Fette konsumieren", erklärte Kaser. Besonders gesund seien Olivenöl oder Nüsse. Diese Diät hätte einen wissenschaftlich belegten präventiven Effekt gegen mögliche Gehirnerkrankungen.

Außerdem berichtete Kaser über die Wichtigkeit, aber auch die Gefahren von Zucker für das Gehirn und das menschliche Nervensystem. "In Österreich leben aktuell zwischen 800.000 und 900.000 Menschen mit der Diagnose Diabetes", so die Medizinerin. Dabei gehe eine Diagnose von Diabetes mellitus mit einer rund 70 Prozent erhöhten Wahrscheinlichkeit einher, an Demenz zu erkranken. Dabei ginge es hierbei meist um vaskuläre Demenz - aber auch das Risiko für Alzheimer würde um rund 50 Prozent gesteigert werden, erläuterte Kaser.

BREMEN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/Sina Schuldt

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab 20,63€
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER