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Austro-Institutionen erwägen gezielte Offerte an US-Forscher

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ISTA-Präsident Martin Hetzer
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Weite Teile des US-Forschungssystems sind durch Budgetkürzungen, inhaltliche Eingriffe - oft unter dem Vorwand der Bekämpfung von "Wokeness" - und überraschende Kündigungen von Forscherinnen und Forschern gehörig unter Druck geraten. An österreichischen wissenschaftlichen Einrichtungen beobachtet man die Situation höchst aufmerksam, wie ein APA-Rundruf zeigt. Wenn US-Wissenschafter beginnen, nach neuen Optionen andernorts zu suchen, will sich auch Österreich anbieten.

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"Mit zunehmender Aufmerksamkeit" blickt man etwa am international stark vernetzten Institute of Science and Technology Austria (ISTA) in Klosterneuburg (NÖ) auf die sich im Zuge von US-Präsident Donald Trumps Dekretflut manifestierenden Auswirkungen der "staatlichen Kürzungen bei der Forschungsförderung" sowie auf "Eingriffe in die Unabhängigkeit der Wissenschaft", so ISTA-Präsident Martin Hetzer in einem Statement. Für den lange Jahre in den USA tätigen Molekularbiologen ist es jetzt "auch eine Frage der Solidarität", die Türen weiter "offen für Talente aus der ganzen Welt" zu halten.

"Wichtig ist in unseren Augen ein abgestimmtes Vorgehen der österreichischen Wissenschaftscommunity. Dazu gehen wir in den nächsten Tagen und Wochen in den verstärkten Austausch mit unseren Partnern", erklärte Hetzer. Man unterstütze überdies den Vorstoß einiger EU-Wissenschaftsministerinnen und -minister, darunter auch Eva-Maria Holzleitner (SPÖ), die in einem Offenen Brief an die EU-Kommission zu einem abgestimmten, europäischen Vorgehen zur Aufnahme von US-Wissenschaftern aufriefen. Der Präsident der Akademie der Wissenschaften (ÖAW), Heinz Faßmann, erklärte am Mittwoch gegenüber dem ORF-Radio, dass man sich um ein "gesondertes Programm" für in den USA tätige Forscher bemühe, um vielleicht auch rückkehrbereiten Österreicherinnen und Österreichern neue Möglichkeiten zu bieten.

Der Wissenschaftsfonds FWF will nun mit drei bestehenden Programmschienen gezielter und offensiver auf Expertinnen und Experten zugehen, die ihre Arbeit in Österreich weiterführen wollen. "Gleichzeitig haben wir mit jenen etwa 20 Forschenden Kontakt aufgenommen, die mit einem unserer Erwin-Schrödinger-Stipendien derzeit in den USA forschen, um mehr über die derzeitigen Rahmenbedingungen zu erfahren", so FWF-Präsident Christof Gattringer zur APA.

Beim Blick auf die Bewerbermuster in Stellenausschreibungen oder Austauschprogrammen bemerke man bisher keine großen Veränderungen dahingehend, dass sich mehr US-Studenten oder -Wissenschafter um Aufnahme in Österreich bemühen. Es sei noch etwas zu früh, um hier Effekte zu sehen, betonten etwa die Agentur für Bildung und Internationalisierung (OeAD), die Universität Wien oder auch das ISTA. "Einzelne Anfragen haben uns aber sehr wohl erreicht", heißt es vonseiten des FWF.

Anders die Situation an der in Wien ansässigen Central European University (CEU) wo man im Jahresvergleich (Stand: Ende März) rund 25 Prozent mehr US-Bewerber um Studienplätze zählt. Da die Privatuni auch eine Akkreditierung in den USA hat, können Studenten ihre Ausbildungen ohne große Umschweife an der CEU fortsetzen, was in der aktuellen Situation für einige durchaus attraktiv zu sein scheint.

An der sehr international ausgerichteten Uni seien auch ein paar wenige Forschungsprojekte von den US-Kürzungen betroffen, so die CEU. Darunter ist auch ein Vorhaben, das Entwicklungshilfebehörde USAID unterstützt wird, die Trump extrem zusammengestutzt wurde. Konkrete Kontakte mit Forscherinnen und Forscher, die ihren Arbeit an die CEU in Wien verlegen wollen, hatte man noch nicht. Dieser Arbeitsmarkt reagiere aber in der Regel nicht so rasch. Laut ISTA-Chef Hetzer könne es durchaus sein, dass sich zum Beispiel "exzellente Forschende stärker nach Europa und Österreich orientieren. Das wird sich allerdings erst in den kommenden Monaten zeigen". In diversen Forscher-Netzwerken, die sich zwischen den USA, Europa und Österreich aufspannen, seien die Verwerfungen selbstredend ein großes Thema, heißt es in mehreren Statements.

Eine konkrete Folgewirkung des veränderten Klimas im US-Wissenschaftssystem seit Trumps Machtübernahme sieht der FWF auf institutioneller Ebene: "Ein mit der National Science Foundation (die NSF ist ein wichtiger Forschungsfördergeber in den USA, Anm.) und anderen europäischen Partnern ausverhandeltes 'Memorandum of Understanding' zu gemeinsamen Ausschreibungen liegt seitens der NSF derzeit auf Eis." Allerdings: "Über Probleme bei laufenden kooperativen Forschungsprojekten oder bei der Mobilität von Forschenden aus Österreich ist uns bisher nichts bekannt", so die auf Grundlagenforschung spezialisierte Förderagentur.

Laut der OeAD gibt es derzeit rund 190 bilaterale Austauschs- und Mobilitätsvereinbarungen zwischen österreichischen und US-amerikanischen Hochschulen. Bisher bemerke man hier noch keine konkreten Auswirkungen auf den laufenden Austausch oder Probleme für Österreicher beim Einreisen in die USA, wie kürzlich im Zusammenhang mit einem französischen Forscher berichtet wurde. Man sei dazu aber im Austausch mit dem Verein ASCINA (Austrian Scientists and Scholars in North America).

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