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Angriffe auf US-Forscher: Experte ortet "noch wenig Widerstand"

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Erdbeben in der Forscherszene in den USA
©APA/APA/GETTY IMAGES NORTH AMERICA/SCOTT OLSON
US-Präsident Donald Trump überzieht das US-Wissenschaftssystem seit kurzem mit finanziellen und inhaltlichen Einschnitten. Zuletzt warnten 1.900 Forschende in einem Offenen Brief vor den Folgen der Kürzungen. Noch spüre man trotzdem "noch sehr wenig Widerstand in der Szene", sagte der in den USA tätige Neurologe Dietrich Haubenberger am Mittwochnachmittag. Allerdings würden die Institutionen wie die National Institutes of Health (NIH) den Druck bereits stark spüren.

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Die von den teils rasant durchgezogenen Kündigungen oder Kürzungen von Förderungen betroffenen Wissenschafterinnen und Wissenschafter sowie Forschungseinrichtungen seien aktuell eher noch in einer Phase des Schocks und der Neuorganisation, so der österreichische Mediziner, der von 2019 bis 2024 Präsident des Vereins ASCINA (Austrian Scientists and Scholars in North America) war. In einem vom Forschungsrat (FORWIT) initiierten Vortrag legte der nach einigen Stationen in den USA und Österreich nun als Leiter der klinisch-translationalen Forschung des biopharmazeutischen Unternehmens Neurocrine Biosciences in San Diego (US-Bundesstaat Kalifornien) tätige Forscher "persönliche Betrachtungen" zu "Trump 2.0" dar.

Im Gegensatz zur ersten Trump-Administration würden Institutionen wie die NIH nun "drastische Veränderungen" spüren, so der frühere Direktor der NIH-"Clinical Trials Unit". Hinweise, dass es so kommen könnte, habe es schon vor der Wahl, etwa von Tech-Unternehmer und Trump-Unterstützer Peter Thiel, gegeben. Demnach würde zu viel öffentliches Geld an Universitäten in "woke" Unternehmungen und in die zu sehr an Diversität orientierte Administration fließen. Die Suche nach wissenschaftlicher Wahrheit würde dort von ideologischen Ansichten untergraben, die Wissenschaft müsse davon befreit werden, hieß es.

Nun stehe in Trumps Forschungspolitik klar die Technologieentwicklung, etwa im Künstliche Intelligenz(KI)-Bereich, im Vordergrund und andere Sektoren, wie die Klimaforschung, aber auch medizinische Themenbereiche würden heruntergefahren, es gebe Maulkörbe für Forscher in öffentlichen Behörden, Kündigungswellen oder eingefrorene Forschungsförderungen. 60 Unis landesweit stehen unter Beobachtung wegen vermeintlichem Antisemitismus. Von alldem seien laut Haubenberger zuerst Nachwuchsforscherinnen- und -forscher betroffen.

Von Österreicherinnen oder Österreichern, denen in den USA gekündigt wurde, habe er bisher noch nicht gehört. Laut einer ersten ASCINA-Umfrage herrsche bei vielen aber "große Angst". Es würden sich Karrierewege für Nicht-US-Bürger schließen, so Haubenberger, der auch Mitglied des FORWIT - einem Beratungsgremium der Bundesregierung in Sachen Innovationspolitik - ist.

Damit man verunsicherte, verängstigte oder schlichtweg desillusionierte US-Forschende nach Europa lotsen kann, müsse man hierzulande aber auch nachhaltige Veränderungen angehen. Denn: Europa sei nicht attraktiver, sondern die USA unattraktiver geworden, so Haubenberger. Will man etwa Austro-Wissenschafter über den Atlantik zurückholen, sollte auch klar analysiert werden, warum diese eigentlich in die USA gegangen sind. Das liege u.a. an mehr Geldern, mehr Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit Firmen, der guten Infrastruktur und Ausbildung, der Start-up- und Innovationskultur und relativ wenig Regularien in vielen Bereichen. Europa könnte sich also durchaus überlegen, nicht nur mehr in Verteidigung, sondern auch in die Wissenschaft zu investieren.

Service: Offener Brief zahlreicher US-Forscher: https://go.apa.at/zX7DbmWn

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