von
"Die schnelle Pointe, die dazu verleitet, den naheliegenden Witz über den Inhalt zu stellen, ist seine Sache nicht. Florian Scheuba bewegt sich lieber außerhalb der Wohlfühlzone - dort, wo die Pointe sitzt, trifft und trotzdem von hohem Unterhaltungswert ist. Das hat damit zu tun, dass Scheuba penibel recherchiert und die Satire mit der Ernsthaftigkeit eines Aufdeckers betreibt." So charakterisierte die Jury das Schaffen des Jubilars, als dieser 2020 mit dem bedeutenden Kabarettpreis "Salzburger Stier" ausgezeichnet wurde.
Die Brücke zwischen Fact und Fun hat Scheuba bereits in diversen Projekten geschlagen - etwa als Mitglied der "Staatskünstler" an der Seite von Robert Palfrader und Thomas Maurer. Das Trio knöpft sich seit Jahren - anfänglich im ORF, später auf der Bühne - das aktuelle politische Geschehen, darunter auch diverse Korruptionsfälle, vor. Aktuell ist die Truppe mit ihrem Programm "Alte Hunde - Neue Tricks" unterwegs. Einen journalistischen Zugang legt der Satiriker auch in seiner regelmäßigen Kolumne im "Standard" und im bereits mehr als 100 Folgen zählenden Podcast "Scheuba fragt nach" für die Wochenzeitung "Falter" an den Tag. Mit dessen Chefredakteur Florian Klenk zerlegt er außerdem im Bühnenformat "Sag du, Florian - was ist jetzt schon wieder?!" den politischen Alltag.
"Mich ärgert es, wenn relevante Sachen untergehen, weil nur wenige die Kraft oder die Geduld haben, sie zu verarbeiten. Viele politische Akteure spekulieren ja mittlerweile genau darauf", erklärte der Kabarettist 2022 in einem "Profil"-Interview seinen aufklärerischen Impetus. Damals war gerade sein Buch "Wenn das in die Hose geht, sind wir hin" erschienen, in dem er sich mit der Chataffäre rund um den engsten Kreis von ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz auseinandersetzt - Stichwort Thomas Schmidt.
Das vielleicht wichtigste Jahr in künstlerischer Hinsicht war für den Bühnenmenschen Scheuba, geboren am 5. April 1965 in Wien, wohl 1981. Damals fanden vier 16-jährige Mödlinger Gymnasiasten namens Florian Scheuba, Werner Sobotka, Mini Bydlinski und Wolfgang Pissecker zusammen und betraten unter dem Namen "Die Hektiker" erstmals die Bühne. Die Folge war eine geradezu phänomenale Kleinkunst-Laufbahn des Quartetts mit fast eineinhalb Dutzend Programmen. "Wir hatten keinen Plan. Das einzige Ziel war, Spaß zu haben. Zwischen schriftlicher und mündlicher Matura haben wir bereits das zweite Programm gemacht. Wir waren junge, dumme Buben, die plötzlich am Cover des 'Rennbahn-Express' waren", erinnerte sich Scheuba einmal im APA-Gespräch. Auch in der Folge habe er keinen Masterplan gehabt oder ein Berufsziel verfolgt. "Ich bin hineingerutscht. Ich hab dann auch studiert, zwischendurch als Journalist bei der 'Presse' gearbeitet und bin zum ORF gekommen."
Dort war er - noch einige Jahre vor den "Staatskünstlern" - an der Seite von Erwin Steinhauer, Rupert Henning und Thomas Maurer im Romy-prämierten Satireformat "Die 4 da" (2007/08) zu sehen. Mit letzteren beiden hatte Scheuba schon vorher zusammengearbeitet. Mit Henning schrieb er das Stück "Freundschaft", das 2004 mit dem "Österreichischen Kleinkunstpreis" prämiert und zwei Jahre später verfilmt wurde - mit Henning in einer der Hauptrollen. Mit Maurer heimste er bereits 2001 den "Deutschen Kleinkunstpreis" für das gemeinsame Programm "Zwei echte Österreicher" ein.
2015 brachte er mit Alfred Dorfer, für dessen Kult-Satire-Comedy "Dorfers Donnerstalk" im ORF er ein Jahrzehnt davor eine kürzere Zeit mitgewirkt hatte, die kabarettistische Fußball-Annäherung "Ballverlust" auf die Bühne. Ins selbe Jahr fällt Scheubas erstes Solo "Bilanz mit Frisur", das als "grandioses Programm eines für dieses Land elementaren Künstlers" gleich den "Österreichischen Kabarettpreis" erhielt. 2018 und 2020 folgten "Folgen Sie mir auffällig" und "Scheuba schaut nach".
Im Fernsehen ist Scheuba seit Jahren regelmäßig im Rateteam der ORF-Sendung "Was gibt es Neues?" vertreten. Apropos ORF: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk lässt das Geburtstagskind mit einem Themenabend am 10. April auf ORF III hochleben. Den Auftakt macht die Neuproduktion "Florian Scheuba - Die besten Momente zum 60. Geburtstag" (21.20 Uhr), die Highlights seiner mehr als 40 Jahre andauernden Bühnenkarriere Revue passieren lässt - von unbekannten Juwelen bis zu Klassikern des heimischen Kabaretts. Danach gibt es eine Aufzeichnung des aktuellen "Wir Staatskünstler"-Programms "Alte Hunde - Neue Tricks" (22.25 Uhr) zu sehen, bevor ab 0.30 Uhr mit der allerersten Folge "Im Bunker" aus 2007 an die Kultserie "Die 4 da" erinnert wird.
(S E R V I C E - www.florianscheuba.com)