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Trumps absurde Zoll-Formel: Ein Lehrstück wirtschaftlicher Ignoranz

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Aktualisiert
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4 min

Donald Trump präsentierte am Mittwoch die neuen Strafzölle.

©Imago/Nurphoto

Donald Trumps neue Zölle basieren auf einer fragwürdigen Rechenmethode, die weder mit ökonomischer Logik noch mit realen Handelsbarrieren etwas zu tun hat – Russland steht nicht auf der Liste.

Als Donald Trump am Mittwoch seine neuen Zölle ankündigte, präsentierte er eine Tabelle mit den angeblichen durchschnittlichen Zollhöhen, die verschiedene Länder gegenüber den USA erheben. Die Vereinigten Staaten würden darauf nun mit „reziproken“ Zöllen reagieren – allerdings, so Trump, aus „Freundlichkeit“ halbiert.

Doch die Berechnung dieser Zahlen gibt Rätsel auf. Der Journalist James Surowiecki machte auf X (früher Twitter) als einer der Ersten auf ein auffälliges Muster in den Zahlen aufmerksam.

Einfache Formel, falsche Annahmen

Wie sich herausstellte, basiert die Berechnung auf einer verblüffend simplen, aber zugleich völlig unlogischen Methode: Die Regierung nimmt das Handelsdefizit der USA mit einem bestimmten Land und teilt es durch die Exporte dieses Landes in die Vereinigten Staaten. Das Ergebnis wird mit 100 multipliziert und ergibt die vermeintliche Zollhöhe, die das jeweilige Land gegenüber den USA erhebt. Diese Zahl wird dann halbiert, um Trumps „reziproken“ Zollsatz zu erhalten.

Ein Beispiel: Das Handelsdefizit der USA mit China betrug laut den Daten der Regierung 291,9 Milliarden Dollar, während die Importe aus China 433,8 Milliarden Dollar betrugen. Die Rechnung sieht dann so aus:

291,9 Mrd. USD : 433,8 Mrd. USD = 0,6728 → 67 %

Trump behauptet also, China erhebe durchschnittlich 67 Prozent Zölle auf US-Waren. Diese Zahl wird dann durch zwei geteilt, was zu einem neuen „reziproken“ US-Zollsatz von 34 Prozent führt.

Ein Trugschluss mit weitreichenden Folgen

Diese Methode ignoriert grundlegende wirtschaftliche Zusammenhänge. Das Handelsdefizit eines Landes mit den USA sagt wenig über dessen Handelspolitik aus, sondern spiegelt vielmehr die Nachfrage nach importierten Gütern wider. Zudem werden nur Waren, nicht aber Dienstleistungen berücksichtigt – ein Bereich, in dem die USA erhebliche Überschüsse erzielen, etwa durch Technologiekonzerne, Filmstudios oder Finanzdienstleistungen.

Auch die von Trump in seiner Rede erwähnten nicht-monetären Handelsbarrieren, etwa regulatorische Hürden oder Mehrwertsteuersysteme, spielen in dieser Berechnung keine Rolle.

Politisches Kalkül statt wirtschaftlicher Logik

Die Zahlen scheinen vielmehr auf eine möglichst einfache und rasche Berechnung zugeschnitten zu sein, die Trumps protektionistisches Narrativ unterstützt. Die Konsequenzen könnten jedoch schwerwiegend sein: Höhere Zölle auf Importe verteuern Waren für amerikanische Verbraucher und Unternehmen, was letztlich die Inflation anheizen könnte.

Noch paradoxer ist, dass Trumps eigene Wirtschaftspolitik – etwa massive Steuersenkungen und hohe Staatsausgaben – das Handelsdefizit eher noch ausweiten dürfte. Denn wenn die Sparquote innerhalb der US-Wirtschaft sinkt, führt dies zu einem verstärkten Kapitalzufluss aus dem Ausland – und damit automatisch zu einer Zunahme des Handelsdefizits.

Ob sich Trumps Zölle langfristig halten oder nach einem politischen Kurswechsel rasch wieder abgeschafft werden, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur eines: Die wirtschaftliche Logik hinter der neuen „Formel“ bleibt zweifelhaft.

Keine Zölle für Russland

Insgesamt treffen die von Trump verkündeten Zölle eine Liste von 185 Handelspartnern. Nicht darauf zu finden ist Russland – im Gegensatz zur Ukraine. Dies liege daran, dass die US-Sanktionen bereits „jeden bedeutenden Handel“ mit Russland ausschließen würden, so die Trump-Sprecherin Karoline Leavitt gegenüber US-Nachrichtenseite Axios.

US-Zölle (Karte)

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US-Zölle (Karte)

US-Zölle nach Höhe und Land.

US-Zölle (Tabelle)

China
34%
67%
EU
20%
39%
Vietnam
46%
90%
Taiwan
32%
64%
Japan
24%
46%
Indien
26%
52%
Südkorea
25%
50%
Thailand
36%
72%
Schweiz
31%
61%
Indonesien
32%
64%
Malaysia
24%
47%
Kambodscha
49%
97%
Vereinigtes Königreich
10%
10%
Südafrika
30%
60%
Brasilien
10%
10%
Bangladesch
37%
74%
Singapur
10%
10%
Israel
17%
33%
Philippinen
17%
34%
Chile
10%
10%
Australien
10%
10%
Pakistan
29%
58%
Türkei
10%
10%
Sri Lanka
44%
88%
Kolumbien
10%
10%
Peru
10%
10%
Nicaragua
18%
36%
Norwegen
15%
30%
Costa Rica
10%
17%
Jordanien
20%
40%
Dominikanische Republik
10%
10%
Vereinigte Arabische Emirate
10%
10%
Neuseeland
10%
20%
Argentinien
10%
10%
Ecuador
10%
12%
Guatemala
10%
10%
Honduras
10%
10%
Madagaskar
47%
93%
Myanmar
44%
88%
Tunesien
28%
55%
Kasachstan
27%
54%
Serbien
37%
74%
Ägypten
10%
10%
Saudi-Arabien
10%
10%
El Salvador
10%
10%
Elfenbeinküste
21%
41%
Laos
48%
95%
Botswana
37%
74%
Trinidad and Tobago
10%
12%
Marokko
10%
10%
Algerien
30%
59%
Oman
10%
10%
Uruguay
10%
10%
Bahamas
10%
10%
Lesotho
50%
99%
Ukraine
10%
10%
Bahrain
10%
10%
Katar
10%
10%
Mauritius
40%
80%
Fitschiinseln
32%
63%
Island
10%
10%
Kenia
10%
10%
Liechtenstein
37%
73%
Guyana
38%
76%
Haiti
10%
10%
Bosnien und Herzegowina
35%
70%
Nigeria
14%
27%
Namibia
21%
42%
Brunei
24%
47%
Bolivien
10%
20%
Panama
10%
10%
Venezuela
15%
29%
Nordmazedonien
33%
65%
Äthiopien
10%
10%
Ghana
10%
17%
Moldawien
31%
61%
Angola
32%
63%
Demokratische Republik Kongo
11%
22%
Jamaika
10%
10%
Mosambik
16%
31%
Paraguay
10%
10%
Sambia
17%
33%
Libanon
10%
10%
Tansania
10%
10%
Irak
39%
78%
Georgien
10%
10%
Senegal
10%
10%
Aserbaidschan
10%
10%
Kamerun
11%
22%
Uganda
10%
20%
Albanien
10%
10%
Armenien
10%
10%
Nepal
10%
10%
Sint Maarten
10%
10%
Falklandinseln
41%
82%
Gabun
10%
10%
Kuwait
10%
10%
Togo
10%
10%
Suriname
10%
10%
Belize
10%
10%

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