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Rafah, ein wichtiger Grenzübergang zu Ägypten, soll Teil einer Sicherheitszone werden, die das Militär besetzen will. Rafah "ist weg, es wird ausgelöscht", schilderte ein Familienvater die Lage mittels einer Chat-App. "Sie reißen alles nieder, was an Häusern und Eigentum übrig geblieben ist", berichtete der Mann, der aus Angst vor Konsequenzen nicht namentlich genannt werden wollte. Er zählt zu den Hunderttausenden, die aus Rafah ins benachbarte Khan Younis geflohen sind.
Mindestens 20 Palästinenser seien bei einem Luftangriff im Morgengrauen auf einen Vorort von Gaza-Stadt im Norden getötet worden, teilte die Gesundheitsbehörde mit. Mehr als 27 Menschen seien auch bei einem Luftangriff auf ein Schulgebäude in Gaza gestorben. In der Schule hätten Vertriebene Schutz gesucht, erklärte die von der radikal-islamischen Hamas kontrollierte Behörde. Das israelische Militär teilte dagegen mit, der Angriff habe wichtige palästinensische "Terroristen" getroffen.
Hunderte von Zivilisten verließen den Außenbezirk Shejaia von Gaza. Israel hatte die Bevölkerung zum Verlassen der Region aufgefordert. Einige Vertriebene trugen ihre Habseligkeiten auf dem Rücken, andere auf Eselskarren, Fahrrädern oder in Lieferwagen.
Israel hat seine langfristigen Ziele für die Sicherheitszone offengelassen. Die Bewohner der Gemeinden im nördlichen und südlichen Rand des Gazastreifens wurden aufgefordert, diese Gebiete zu verlassen. Viele befürchten, Israel wolle diese Bereiche dauerhaft entvölkern und damit Hunderttausende obdachlos machen. Zudem haben die Truppen existenzielle Ressourcen wie landwirtschaftliche Flächen und Wasserversorgung beschlagnahmt.
Seit Ablauf der ersten Phase des Waffenruheabkommens Anfang März blockiert Israel Hilfslieferungen in den Gazastreifen. Die UNO warnt mit Blick auf eine drohende Unterversorgung der 2,3 Millionen Einwohner des Gazastreifens vor einer humanitären Katastrophe.
Trotz der angespannten Lage zeichnete sich keine Bewegung bei den Bemühungen um eine Reaktivierung der Feuerpause ab. Die Hamas lehnte es ab, auf einen von Israel unterbreiteten Gegenvorschlag einzugehen. Stattdessen pochte die palästinensische Gruppierung auf die ursprünglichen Vereinbarungen. Israel hatte nach zweimonatiger Feuerpause am 18. März die Kämpfe wieder aufgenommen. Hamas und Israel beschuldigten sich gegenseitig, Abmachungen nicht eingehalten zu haben.
Die Hamas hält noch immer 59 Geiseln gefangen, wobei unklar ist, wie viele von ihnen noch am Leben sind. Israel fordert, die Lebenden freizulassen und die Leichen der Gestorbenen zu übergeben, dann könne die Waffenruhe verlängert werden. Erklärtes Ziel des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu ist die Vernichtung der Hamas. Die Hamas jedoch will die Geiseln nur freilassen, wenn zuvor ein dauerhaftes Ende des Krieges vereinbart wird.
Der Krieg begann mit einem Angriff der Hamas auf israelische Gemeinden am 7. Oktober 2023, bei dem Bewaffnete nach israelischen Angaben 1.200 Menschen töteten und mehr als 250 Geiseln nahmen. Laut Gesundheitsbehörden im Gazastreifen sind bei der israelischen Offensive dort bisher mehr als 50.000 Palästinenser ums Leben gekommen.