Politisch wird die Kluft zwischen Stadt und Land immer größer. Der eine Teil wandert nach links, der andere nach rechts. In Wien mag die SPÖ von Ludwig davon profitieren, es geht jedoch um mehr.
ANALYSE DER WOCHE
Als Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) im Jänner die Vorverlegung der Gemeinderatswahl vom Herbst auf den 27. April verkündete, ging er davon aus, dass Herbert Kickl (FPÖ) mit Hilfe der ÖVP Kanzler wird: Wohl mehr als sonst wo hätte das in der Bundeshauptstadt zu einer Gegenbewegung führen können, von der die Sozialdemokratie profitiert.
Es ist anders gekommen, doch für Ludwig ist nicht alles verloren: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird die SPÖ weiterhin klar vorne sein und es bei einer Mitte-Links-Mehrheit bleiben. Die FPÖ wird, ausgehend von bescheidenen sieben Prozent, zwar zulegen, Umfragen zufolge aber nicht an die 30 Prozent herankommen, die sie in den 1990er- und 2010er-Jahren je einmal in etwa erreichte.
Es ist ein Phänomen: So übel es Roten alles in allem auf dem Land geht, so passabel läuft es für sie in Städten. Bei den Blauen ist es umgekehrt: Sie feiern ihre größten Erfolge auf dem Land. In Städten werden sie zwar auch stärker, aber nicht so sehr.
Zu tun hat das mit gesellschaftlichen Entwicklungen: In den urbanen Zentren leben zum Beispiel mehr Hochschulabsolventen. In Wiener Bezirken wie Neubau und Währing handelt es sich um über 50 Prozent aller 25- bis 64-Jährigen. Das macht was: Akademiker neigen politisch eher zu Mitte-Links. In ländlichen Regionen dagegen sind mehr Facharbeiter zu Hause, die unter einem größeren ökonomischen Druck stehen, von Abstiegsängsten geplagt werden und zur FPÖ tendieren.
Ihnen bietet sich die FPÖ unter Kickl mehr denn je an, indem sie im Rahmen einer „Festung Österreich“ geordnete Verhältnisse in einer geschützten Welt mit geschlossenen Grenzen verspricht. Was nicht nur ein Gegensatz zu linken Zugängen ist: Damit geht unter anderem eine Abkehr von Europa einher – und das wiederum war ein Grund dafür, dass Kickl auch mit der ÖVP keine Koalition zusammenbrachte.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 14/2025 erschienen.