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Zwei Künstler schufen das Oratorium „Messiah“

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Das Händeldenkmal in Halle (Saale)©Tilman2007/CC BY-SA 4.0
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Nur einer ist heute noch bekannt.

Am 14. April 1759 starb Georg Friedrich Händel, am 20. April wurde er in der Westminster Abbey beigesetzt. 3.000 Bewunderer seiner Musik kamen zum Begräbnis. Eine Skulptur erinnert an ihn, eingewickelt in eine aus Stein gemeißelte Kopie der Komposition „Messiah“. Der Gutsbesitzer Charles Jennens starb am 20. November 1773 und wurde in der Dorfkirche von Nether Whitacre in Warwickshire begraben. Eine Marmortafel erinnert an seine Großzügigkeit. Nicht ein Wort über seine Freundschaft zu Händel und das Libretto für Messiah.

Widersprüchliche Persönlichkeiten

Jennens und Händel, zwei widersprüchliche Persönlichkeiten mit konträren politischen Ansichten, bildeten eine der kreativsten Partnerschaften der Musikgeschichte. Während Händel gegenüber dem Haus Hannover bedingungslos loyal war – es regierte zwischen 1714 und 1901 nach Ablöse des Hauses Stuart – und für George II. die Musik der Krönungszeremonie geschrieben hatte, war Haus Hannover für Jennens das illegitime Königshaus. Für ihn wäre nur die Fortsetzung des Hauses Stuarts, der -ersten Könige eines vereinten Großbritanniens, die Garantie für diese Einheit gewesen.

Das änderte nichts an Jennens Bewunderung für den Komponisten und an der jahrzehntelangen Freundschaft der beiden. Während seiner Aufenthalte in London verbrachte Jennens die Abende in der Oper oder diskutierte mit seinem Freund über Musik und Politik. Er kaufte fast alle Originalmanuskripte Händels.

Doch zuhause auf seinem Landsitz litt der Gutsbesitzer zeitlebens an Depressionen, dachte oft daran, sich das Leben zu nehmen. Im Sommer 1741 holte er in dieser verzweifelten Stimmung das Alte und das Neue Testament und noch ein Dutzend theologischer Bücher aus seiner Bibliothek und suchte nach hoffnungsfrohen, religiösen Textstellen. Daraus entstand ein Libretto, das er persönlich Händel übergab, der gerade ein Manuskript für eine Auftragsarbeit suchte, eine Serie von Konzerten in Dublin.

Ein zeitloses Meisterwerk

In nur 24 Tagen schrieb Händel den „Messiah“. Am 13. April 1742 dirigierte er die Uraufführung in Dublin. Es war einer seiner größten Erfolge. „Ein einmaliges Werk“, sagte der Bischof von Dublin, „eine neue Art von Musik, völlig anders als bisherige Oratorien.“ Jennens war weniger begeistert. „Da gibt es mehrere Schwachpunkte“, kritisierte er das Werk, änderte mehrere Textstellen und bat Händel, die Komposition anzupassen.

Jennens schrieb die Libretti zu den Kompositionen Händels: „Saul“ (1735), „L’Allegro, il Penseroso ed il Moderato“ (1740), „Belshazzar“ (1744) und „Israel in Egypt“ (1738). Er publizierte alle seine Werke anonym. Die ersten Einzelausgaben der Theaterstücke „King Lear“, „Hamlet“, „Othello“, „Macbeth“ und „Julius Caesar“ von Shakespeare wurden von Jennens bearbeitet.

Mit „Messiah“ schufen Händel und Jennens ein zeitloses, religiöses Meisterwerk. Das Drei Minuten lange „Amen“ am Ende des Oratoriums lässt selbst in einer eher säkularen und weltlichen Zeit niemanden unberührt.

(Aus dem neuen Buch von Charles King, „The Desperate Lives and Troubled Times That Made Handel’s Messiah“.)

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr.06/2025 erschienen.

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