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Rainhard Fendrich feiert 70. Geburtstag

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Gelassen blickt Rainhard Fendrich seinem Geburtstag ins Auge
©APA/APA/GEORG HOCHMUTH/GEORG HOCHMUTH
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Rainhard Fendrich feiert am Donnerstag seinen 70. Geburtstag. Mit einer Tournee begeht der Künstler heuer sein 45-jähriges Bühnenjubiläum. "Liederschreiben und Lieder auf der Bühne singen, das ist wunderbar. Das ist meine Berufung", sagte Fendrich im APA-Interview anlässlich der Veröffentlichung des neuen Albums "Wimpernschlag". Nach seinem persönlichen Karrierehöhepunkt befragt, antwortete er mit einem Lachen: "Wie ich am Großglockner oben war."

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"Denn das hätte ich mir selbst nicht zugetraut", so Fendrich. Und ernsthaft: "Es gab viele Höhepunkte wie die Festwocheneröffnung 1992. Eigentlich habe ich sehr viel Glück gehabt, das ist auch wichtig in diesem Beruf. Allein schafft man es nicht, man muss zur richtigen Zeit die richtigen Leute kennenlernen."

Geboren wurde Rainhard Jürgen Fendrich am 27. Februar vor 70 Jahren in Wien-Alsergrund. Heute wohnt er in Favoriten und fühlt sich wohl dort, wie er gegenüber der APA betonte. In seiner Kindheit und Jugend musste der spätere Star finanzielle Entbehrungen hinnehmen, die Familie verfügte über wenig Geld: "Ich habe von meinem Vater nicht einen Schilling Taschengeld bekommen. Als ich angefangen habe, Musik zu machen, wollte ich - so blöd das jetzt vielleicht klingt - reich und unabhängig werden. Daraus ist eine große Leidenschaft geworden. Aber der erste Antrieb war, dass ich nicht mehr arm sein wollte."

Mit dem Liederschreiben habe er bereits in der Pubertät begonnen: "Angefangen hat das mit einem Tagebuch, aus dem Tagebuch sind Gedichte geworden. Dann habe ich eine Gitarre bekommen und die Texte vertont. Das war so ein schleichender Prozess." Nach Gymnasium und Internat, abgebrochenem Jusstudium und Schauspiel- und Gesangsunterricht gab Fendrich 1980 gleich zwei Debüts: als Schauspieler am Theater an der Wien und mit seinem ersten Album "Ich wollte nie einer von denen sein".

Schon ein Jahr später kam der Durchbruch mit dem ersten großen Hit "Strada del Sole". "Ich urlaubte in Griechenland und habe dort gar nicht mitbekommen, dass ich auf Nummer 1 war", erinnerte sich Fendrich. Es folgte in rasantem Tempo ein Hit dem nächsten: "Schickeria" (1981), "Razzia" (1982) und "Es lebe der Sport" (1982) katapultierten Fendrich an die Spitze des Austropop und machten ihn auch in Deutschland bekannt.

Zum Klassiker avancierte er spätestens mit den weiteren Nummern der 1980er wie "Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk" (1984), "Macho, Macho" (1988) oder "I Am From Austria" (1990). Letzteres Lied wird gerne als inoffizielle Hymne des Landes bezeichnet, der kritische Text oft übersehen bzw. nicht verstanden: "I kenn die Leit', I kenn die Ratten, die Dummheit, die zum Himmel schreit, I steh zu dir bei Licht und Schatten jeder Zeit", zitierte Fendrich im Interview und betonte: "Das hat mehr Aktualität denn je." Er wisse natürlich, dass sich das Lied verselbstständigt habe und "allwettertauglich geworden ist".

Auch wenn seine musikalische Produktion in den 1990ern mit sechs veröffentlichten Alben (die alle auf Platz 1 der heimischen Charts landeten) nicht nachließ, begann Fendrich sich in dieser Zeit verstärkt abseits des Musikbusiness zu engagieren. So war er erfolgreicher TV-Moderator von "Herzblatt" (1993-1997) und "Nix is fix" und auch im neuen Jahrtausend am Bildschirm präsent - u.a. bei der "Millionenshow", damals noch unter dem Titel "Alles ist möglich - Die 10-Millionen-Show".

Auf der Musicalbühne war Fendrich bei "Chicago" zu sehen, bevor 2002 sein eigener Musicalerstling "Wake Up" (geschrieben gemeinsam mit Harold Faltermeyer) uraufgeführt wurde. 2017 brachten die Vereinigten Bühnen Wien unter dem Titel "I Am From Austria" in Zusammenarbeit mit Fendrich ein weiteres Musical heraus, das seine größten Hits in eine mit Selbstironie angereicherte Geschichte goss - und zum durchschlagenden Erfolg wurde. Es landete sogar auf japanischen Bühnen.

Erfolgreich lief ab 1997 auch das Projekt Austria 3 mit Wolfgang Ambros und Georg Danzer. Drei Alben und gefeierte Auftritte waren das Ergebnis der Kooperation der drei Austropopgrößen. Seit dem Tod von Danzer ist Fendrich wieder als Solist unterwegs.

Privat wurde seine einstige "Strada del Sole" zu einer Achterbahn der Gefühle. Nach der medial ausgeschlachteten Scheidung von Andrea Fendrich 2004 folgte drei Jahre später das Geständnis, Kokain konsumiert zu haben. 2011 wurde Fendrich nochmals Vater. Sein Privatleben hält der Vielseitige mittlerweile bedeckt und sich selbst von Society-Auftritten, so gut es geht, fern. "Ich habe auch früher immer als einer der Ersten die Partys verlassen. Aber ich war natürlich dort, ich war jung." Heute langweile ihn das: "Ich führe lieber mit jemandem ein interessantes Gespräch, das mich weiterbringt, als in eine Society-Kamera zu schauen."

Ein wenig Privates gibt Fendrich dennoch preis: "Ich bin ein leidenschaftlicher Segler. Das ist das Schönste, was ich mir vorstellen kann. Das Schönste am Segeln ist das Schweigen. Da kann man seinen Gedanken freien Lauf lassen." Und er habe sich einen Camper angeschafft, schmunzelte er.

Im Alter hat Fendrich viel Anerkennung auch von früheren Kritikern bekommen, nicht zuletzt wegen seines kritischen Blicks auf Gesellschaft und Politik. "Ich hatte Erfolg und war als junger Mensch sicher goschert", sagte er. Das mag polarisiert haben. Die Bezeichnung "altersweise" weist er zurück: "Es interessiert mich einfach unser Leben und was um mich herum passiert - und darüber singe ich."

Gab es einen Punkt, an dem Fendrich ans Aufhören dachte? "Nach jeder Tournee", lachte er. "Da ist man sehr ausgepowert. Aber das gibt sich wieder. Ich kann nicht anders, ich muss Lieder schreiben." Wenn man unter seinen 19 Alben nur eines auswählen darf, welches würde er empfehlen? "Das letzte. Wobei ich sagen muss, ich habe auch große Freude mit 'Voller Mond' (1988, Anm.), ein zeitloses Album."

Den Geburtstag feiert der ORF mit einer langen Filmnacht. So kann sich der Fan die Nacht auf den Freitag (28. Februar) mit Fendrich in ORF 2 um die Ohren schlagen. Los geht es um 0.10 Uhr mit "Gefühl ist alles", es folgt "Das Mädchen aus der Torte" (1.45 Uhr) sowie "Fröhlich geschieden" (3.15 Uhr). Und in ORF III gibt es am 1. März die Neuproduktion "Rainhard Fendrich - Die besten TV-Momente" zu sehen.

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