Heinz Sichrovskys Spitzentöne: "Das irre Kriegstrommeln ist zu beenden!" (02.04.25)
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr.14/2025 erschienen.
Guten Tag Herr Sichrovsky,
selbstverständlich habe ich nicht annähernd so viele Bücher gelesen wie Sie. Das sehe ich jedoch nicht als Nachteil – es gibt viele andere schöne und sinnstiftende Tätigkeiten auf dieser Welt als das Lesen von Büchern.
Was mich dennoch dazu qualifiziert, Ihnen meine Sicht der Dinge darzulegen, ist meine langjährige persönliche und berufliche Erfahrung: Seit 1990 war ich häufig sowohl in Russland als auch in der Ukraine tätig. Ich habe dort über die Jahre zahlreiche Kontakte und Freundschaften aufgebaut. Die meisten meiner Bekannten leben inzwischen allerdings nicht mehr in Russland – viele sind ins Ausland geflüchtet.
Ich erlaube mir daher, mich als Russland-Experten zu bezeichnen. Wie es einem anderen Experten, dem Politikwissenschaftler Prof. Gerhard Mangott, ergangen ist, können Sie gerne nachrecherchieren: Auch er wurde massiv bedroht – ein Angriff, der nicht nur ihn betrifft, sondern auch unsere demokratischen Grundwerte und unsere Art zu leben.
Normalerweise übte ich Kritik eher an Personen wie Herrn Konrad Kramar vom Kurier, der – wohl auch durch private Verbindungen – lange Zeit eine russlandfreundliche Haltung vertreten hat. Noch bis 2023 konnte man im Kurier Artikel von ihm lesen, in denen er die westliche Russlandpolitik als grundlegend falsch darstellte und dem Westen eine Mitschuld am Verhalten Putins zuschrieb.
Offenbar hat sich hier inzwischen ein Umdenken eingestellt – entweder bei der Redaktion oder bei Herrn Kramar selbst. Denn es ist inzwischen unübersehbar, dass Wladimir Putin nicht im Verborgenen, sondern ganz offen daran arbeitet, eine Art „Sowjetunion 2.0“ wiederherzustellen. Besonders erschreckend ist dabei auch sein rassistisches Manifest zur Ukraine – eine Argumentation, die stark an Hitlers Ideologie bezüglich des Sudetenlandes erinnert.
Ich bin der Überzeugung: Österreich und die EU-Staaten sind längst Zielscheibe russischer Angriffe – und das nicht erst seit 2021. Diese Angriffe erfolgen in erster Linie durch Cyberattacken, massive Spionage, gezielte Fehlinformation und Desinformationskampagnen. Hinzu kommt eine systematische Unterstützung rechtsextremer Parteien sowie die Verbreitung professionell produzierter Propagandainhalte – insbesondere über soziale Netzwerke. Dort werden EU-Politiker gezielt diffamiert, beleidigt und herabgewürdigt, teils sogar durch bezahlte Werbung.
Diese Aktivitäten stammen längst nicht mehr nur von "Trollen aus St. Petersburg". Es handelt sich um professionelle Agenturen, ausgestattet mit Millionenbeträgen aus der Kriegskasse des Kreml.
Hinzu kommt, dass Russland mitten in Wien ein riesiges Spionagezentrum betreibt – und das, obwohl unser Bundespräsident, Herr Van der Bellen, als oberster Verantwortlicher für die Landesverteidigung hier eine klare Haltung einnehmen sollte. Stattdessen wird dieses Thema weitgehend ignoriert.
Neutralität hat in der Geschichte selten Schutz geboten. Wenn es einem Aggressor opportun erschien, wurde durch neutrale Staaten marschiert oder sie wurden schlicht besetzt – das wissen auch Sie. Im Fall der Schweiz waren es eher die Berge als die Neutralität, die im Zweiten Weltkrieg eine Besetzung verhindert haben.
Wladimir Putin ist ein Mörder, ein notorischer Lügner und ein international gesuchter Kriegsverbrecher. Laut einer BBC-Dokumentation ließ er ukrainische Babys entführen, um sie an seine Oligarchenfreunde zu übergeben. Russland unter seiner Führung ist unser Feind – und ich sage das ohne jede Übertreibung.
Ökonomisch steht Russland mit dem Rücken zur Wand. Die zivile Wirtschaft ist nicht mehr überlebensfähig. Es bleibt nur noch die Kriegswirtschaft, um den Zusammenbruch hinauszuzögern.
So viel zu meiner Einschätzung Ihres pazifistischen Artikels. Ich nehme Herrn Brandstetter in CC, denn er scheint im Gegensatz zu anderen sehr wohl verstanden zu haben, wie man Putins Angriff auf Europa begegnen muss.
Putin greift auch unsere Demokratie an und hat damit auch Erfolg darum dürfen wir nicht neutral sein, sondern uns umdrehen und sehen wer uns hier Messer in den Rücken sticht,
Europa muss eng zusammenstehen um diesen Feind gemeinsam zu bezwingen.
Mit freundlichen Grüßen
Name der Redaktion bekannt
einfach grossartig. Gratuliere ihr rudolf gindlhumer
Wo sind die Zeiten, als Österreich in Europa und außenpolitisch ein Friedensfaktor war? Während in Ländern wie Frankreich, England, Nordeuropa Schritte gesetzt werden, die man geradezu als Kriegsvorbereitungen sehen muss, gerät unsere Neutralität immer mehr unter Beschuss – durch Medien, die Neos, und in den anderen Parteien gerade noch gebremst wegen der weiterhin bestehenden Unterstützung der Neutralität durch die Bevölkerungsmehrheit. Hat nicht das Geringste mit „Putin-Verstehen“ zu tun.
Es ist ein Lichtblick und hoch an der Zeit, dass es zum Thema gewichtige Äußerungen wie Ihre gibt.
Mit Dank und freundlichen Grüßen
Peter Weber
Chapeau!!!
Oswald Ritzengruber
Sehr geehrter Herr Sichrovsky!
Sie sprechen (schreiben) mir aus dem Herzen. Ich habe selten eine treffendere Bezeichnung für Frau Baerbock gelesen.
Ich bin glücklich, dass es außer mir noch jemand gibt, der gleich oder zumindest doch sehr ähnlich denkt.
Vielen Dank und liebe Grüße
Dr. Ingolf Macher
Lieber Herr Sichrovsky,
Zusätzlich zu allen Überlegungen im Text Ihrer neuesten Spitzentöne, die ich im Wesentlichen teile: Der strikten Forderung in Ihrem Subtitel: "Das irrsinnige Kriegstrommeln eines neutralen Staates hat unterbunden zu werden“ kann ich mich als besorgter 77jähriger Bürger dieses neutralen Staates nur zu 100.000 Prozent anschliessen.
Es wäre Balsam, wenn Sie bei einer Ihrer nächsten Spitzentöne wieder einmal irgend etwas über die Schönheit von Tönen in der Musik schreiben könnten - Musik als einer der grössten Errungenschaften der menschlichen Seele, statt aus Sorge über irrsinnige Kriegstrommeln schreiben zu müssen...
Ihr
Hans Loibner