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Gefühlvoll: Wolfgang Hermanns Herr Faustini ist wieder da

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Von Hörbranz nach Wien und wieder zurück
©APA/Milena
Wer sich eine kleine Freude im Alltag wünscht, sollte zu Wolfgang Hermanns neuem Roman "Herr Faustini und die Glatze der Welt" greifen. Über 100 Seiten kann man hier den Hauptprotagonisten auf einer Reise von Vorarlberg nach Wien und wieder zurück begleiten, aber eigentlich bei viel mehr: Beim Aufspüren von Erinnerungen an die Vergangenheit, aber auch beim Erleben vieler schöner neuer Begebenheiten. Begleitet von angenehmen Emotionen.

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Die titelgebende "Glatze der Welt" ist eigentlich nur ein Nebenaspekt dieses im Milena-Verlag erschienenen Buches. Denn im Fernsehen wird die These geäußert, dass "die um sich greifende Glatzenbildung junger Männer" mit der Rodung und Verwüstung weiter Flächen der Erde zusammenhänge, also "die Glatze der Welt" darstelle. Dennoch freilich ein Thema, das Herrn Faustini zu intensivem Nachdenken anregt.

Unaufdringlich unterhaltsam ist aber nicht nur dieser Aspekt, sondern die ganze Erzählung über den älteren Herrn aus Hörbranz am Bodensee, der zunächst im Zuge eines Spaziergangs in der dortigen Kirche Sankt Martin verweilt, wo er beim Betrachten des Verkündigungs-Bildes eine Erscheinung erlebt. Damit nicht genug, lernt er später im Bahnhofs-Café einen wohl ähnlich gesinnten Mann namens Martin kennen, dessen Haustier ein Eichhörnchen namens Luther ist.

Weil Herr Faustinis neuer Freund einer alten Liebe, aus der aufgrund unglücklicher Umstände nichts geworden ist, in Wien nachspüren möchte, animiert er diesen zu einem gemeinsamen Bahnausflug in die Bundeshauptstadt - mit mehrtägigem Aufenthalt. Dort gelingt es Herrn Faustini, die bekannte Wiener Grantigkeit weniger wahrzunehmen als die vielen positiven Eindrücke, die auch die Wienerstadt zu vermitteln vermag - herzhaftes Kinderlachen im Park etwa.

Dass beide Herren - auf unterschiedliche Art und Weise - bei ihrem Wien-Ausflug tatsächlich die Liebe oder zumindest Ansätze davon finden, scheint eine Belohnung für die positive Gemütslage zu sein, mit der zumindest Herr Faustini die hier geschilderten Tage angeht.

Der früher in Vorarlberg und nun in Wien lebende Autor, der nicht nur bereits fünf weitere Bücher über Herrn Faustini verfasst, sondern auch 1992 am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teilgenommen hat, schafft es, diese positiven Schwingungen mit einer sehr feinen Sprache zu transportieren, deren Tonfall oft angenehm emotional und leicht philosophisch, aber nie pathetisch wirkt. Genau so sollte man dieses Werk auch lesen, dann kann man diese positive Grundtonalität mit in den Alltag nehmen.

(S E R V I C E - Wolfgang Hermann: "Herr Faustini und die Glatze der Welt", Milena, 120 Seiten, 20,00 Euro)

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/Milena

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