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Partnerschaft: Welchen Urlaub brauchen wir?

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Sommer, Sonne, Strandromantik? Dafür sollte man auch einmal das Handy weglegen
©APA/APA/dpa/gms/Christin Klose/Christin Klose
Für viele Paare ist der Urlaub das Highlight des Jahres – und gleichzeitig eine echte Beziehungsprobe. Warum das so ist, was man dagegen tun kann und warum es manchmal gesünder ist, getrennt zu verreisen, erklärt Carsten Müller, Paar- und Sexualtherapeut und Sexualpädagoge Autor mehrerer Bücher, im Interview.

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Carsten Müller: Das erlebe ich in meiner Praxis ständig. Das liegt vor allem daran, dass ganz viel, was im Alltag zu kurz kommt – gemeinsame Zeit, Erholung, Sex –, in den Urlaub projiziert wird. Die Leute sagen sich: "Okay, komm, noch zwei Wochen durchhalten, dann ist Urlaub." Aber wenn Erwartungen und Bedürfnisse im Alltag nicht erfüllt werden, warum sollten sie dann auf einmal im Urlaub erfüllt werden? Dann sind der Druck und natürlich Potenzial für Enttäuschungen riesig, und genau das passiert dann auch.

Erstmal wissen: Urlaub kann toll und erfüllend sein, aber er wird einen auch als Paar nicht über das ganze Jahr retten - und deswegen braucht es eben Inselmomente oder Oasen im Alltag. Bewusste Zeiten zu zweit: zusammen eine Playlist hören, beim Kochen reden. Das ist machbar.

Dann kommt man auch dazu, über die Erwartungen zu sprechen: Warum wollen wir in den Urlaub fahren? Und was brauchen wir, um eine gute Zeit zu haben? Was brauchst Du, was brauche ich? Und wie bekommen wir das hin?

Und um das "Wir"zu definieren, braucht es ein "Ich". Die eigenen Bedürfnisse komplett zur Seite zu schieben, weil vielleicht die oder der andere mehr arbeitet, wäre falsch - schließlich haben alle Urlaub verdient. Gleichzeitig geht es darum, ehrliches Interesse am Partner zu haben und zu zeigen, um Balance.

Dann geht es um die Schnittmenge. Natürlich kann man mal einen Kompromiss machen oder einen Tag was allein unternehmen. Bei manchen Paaren haben sogar beide das Bedürfnis, mal einen Tag getrennt wandern zu gehen – super! Dann hat man sich abends wieder was zu erzählen. Ich finde, nicht alles muss zu 100 Prozent gemeinsam passieren. Da ist es auch egal, was andere Leute machen oder die Werbung für ein Bild von Urlaub vermittelt.

Urlaub und Paarbeziehungen sind Dinge, die total romantisiert werden, vor allem auch zusammen. Aber: Was im Alltag nicht funktioniert, wird im Urlaub nicht einfacher. Viele Menschen sprechen im Alltag nicht über Sexualität – und dann erwarten sie, dass das im Urlaub plötzlich von selbst läuft. Aber so funktioniert das nicht.

Deshalb auch da: Nicht alle Erwartungen einfach in den Urlaub packen! Kommunikation ist auch da der Schlüssel: Vielleicht ist es eine Möglichkeit, damit im Urlaub anzufangen und dann das mit in den Alltag zu nehmen oder vielleicht eher umgekehrt? Dann bietet sich so ein Inselmoment im Alltag, an, auch mal über Sexualität und Bedürfnisse zu sprechen, das ist ein reines Sachthema. Und für die gemeinsame Lust muss man was tun, nicht nur im Urlaub.

Dann knallt es eben. Lieber einmal richtig streiten, als später doppelt so stark! Runterschlucken ist keine Option – dann wird der Frust nur größer. Ich empfehle, zwischendurch Check-Ins zu machen oder ein kleines Bergfest einzulegen, nach ein paar Tagen zu fragen: Läuft"s gut für uns? Müssen wir was ändern? Dann kann man noch reagieren, statt am Ende zu sagen: Boah, das war der schlimmste Urlaub ever.

Erinnerungen wachhalten, indem man dafür sorgt, dass sie wieder hochkommen: morgens, wenn man zur Arbeit fährt, dem anderen noch mal ein Urlaubsfoto zu schicken, etwas essen oder trinken, was man dort immer hatte. Und: Sich zusammen zu fragen: Was war das Schönste an unserem Urlaub, was hat uns als Paar gutgetan? Und wie können wir davon etwas auch zu Hause hinbekommen? Das kann dann durch den Alltag tragen.

Ja, etwa wenn Menschen das Gefühl haben, mit dem Urlaub die Beziehungen retten zu wollen. Und ansonsten, wenn die Bedürfnisse so massiv unterschiedlich sind, dass es keine Schnittmenge gibt - wie gesagt, man sollte sich fragen, warum man in den Urlaub fährt. Sich als Paar erleben und zeigen, das geht ja auch anders. Und es kann trotzdem sein, dass Alltag super funktioniert, aber Urlaub macht man dann vielleicht lieber mit Freunden.

HAMBURG - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/dpa/gms/Christin Klose/Christin Klose

Das Bild darf nicht in einem die Models diffamierenden Zusammenhang verwendet werden!

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