NAD+ ist ein Coenzym, das den Zellstoffwechsel ankurbelt und die Alterung tatsächlich verlangsamen kann. NAD+-Infusionen rücken als mögliche Therapie für Langlebigkeit, mehr Energie und neurologische Gesundheit in den Fokus. Doch wie wirksam und verträglich sind sie wirklich?
Wer stets auf der Suche nach dem nächsten Gesundheits- und Longevity-Trend ist, kommt um das Thema NAD+ nicht herum: Das unaussprechliche Nicotinamidadenindinukleotid ist ein lebenswichtiges Coenzym, das in jeder Zelle unseres Körpers vorkommt und eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel spielt.
Es unterstützt die Zellen bei der Energiegewinnung, indem es wichtige chemische Reaktionen antreibt, die in den „Zellkraftwerken“ (Mitochondrien) ablaufen. Dabei werden Nährstoffe in für den Körper nutzbare Energie (ATP) umgewandelt. Kurz gesagt: NAD+ aktiviert Enzyme, die geschädigte DNA reparieren und somit die Zellalterung verlangsamen – Anti-Aging im wahrsten Sinne des Wortes.
NAD+ wird bei extremer Müdigkeit, Erschöpfung, bei Long-Covid und sogar neurologischen Erkrankungen eingesetzt
Durch oxidativen Stress, ungesunde Lebensweise oder Stoffwechselerkrankungen nimmt der NAD+-Spiegel mit zunehmendem Alter stark ab, was zu Zellalterung und chronischen Entzündungen führt. Ebendiese stehen mit vielen anderen altersbedingten, aber auch neurologischen Krankheiten in Zusammenhang.
„NAD+-Infusionen können den Zellstoffwechsel aktivieren und altersbedingten NAD+-Verlust ausgleichen“, erklärt Jennifer Kager, Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit dem Schwerpunkt der ästhetischen Medizin in der Wiener Ordination Dr. Rieder & Dr. Kager. „Man weiß mittlerweile, dass NAD+ eine Schlüsselrolle im Gehirnstoffwechsel spielt, und sieht großes Potenzial darin, dass es bei chronischen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson als Therapie unterstützend sein könnte. Einige Studien haben sogar gezeigt, dass eine NAD+-Infusions-Therapie die Symptome von Parkinson lindert. Die therapeutische Wirkung von NAD+ bei der Parkinson-Krankheit wird mit der Erhöhung des Neurotransmitters Dopamin in Verbindung gebracht, der für die Bewegung wichtig ist, die bei der Parkinson-Krankheit unkontrollierbar sein kann.“
Infusionen mit dem Coenzym ermöglichen im Gegensatz zu herkömmlichen Supplements in Kapselform eine besonders schnelle und effiziente Erhöhung des NAD+-Spiegels. Durch die direkte Verabreichung mittels Infusion in die Blutbahn steht das Coenzym den Zellen unmittelbar zur Verfügung, was die Energiegewinnung ankurbelt und die mitochondriale Funktion unterstützt. Sie können bei extremer Erschöpfung, Konzentrationsschwäche und sogar bei Long-Covid-Fällen verabreicht werden. „Während viele positive Effekte beobachtet wurden, sind Langzeitstudien natürlich noch begrenzt. Trotzdem merken wir an unseren Patienten eine deutliche Verbesserung in ihrem Allgemeinzustand und einen Soforteffekt, was die Müdigkeit und den Erschöpfungszustand angeht“, berichtet Kager.
„Long-Covid-Patienten berichten uns davon, dass sie sich endlich wieder energiegeladener fühlen und weniger müde sind. Eine Patientin, die vor ihrer Covid-Erkrankung Triathletin war, aber nun leider an Long Covid leidet, fühlt sich dank der regelmäßigen NAD+-Infusionen wieder besser und hat uns letztens mit Tränen in den Augen von ihrer ersten Sporteinheit nach langer Zeit erzählt.“
Ablauf, mögliche Nebenwirkungen und Kosten
Verabreicht werden die Infusionen unter ärztlicher Aufsicht und nach einem ausführlichen Anamnesegespräch. „Die Infusionen gelten als gut verträglich, wenn sie richtig dosiert und langsam verabreicht werden. Trotzdem wird eine ärztliche Beratung vor der Anwendung empfohlen, denn es kann vorübergehend zu Kreislaufproblemen kommen“, klärt die Fachärztin auf.
Geeignet sind sie grundsätzlich für jeden außer für Schwangere, Stillende, Menschen mit bestimmten Autoimmun- oder Tumorerkrankungen, „schlichtweg, weil noch nicht genug Forschungsergebnisse vorliegen, dass es für diese Patientengruppe als geeignet eingestuft werden kann“, so Kager. Empfohlen werden die Infusionen drei- bis viermal in kürzeren Abständen, um den Speicher gut aufzufüllen. Danach können sie nach Bedarf halbjährlich wiederholt werden. Kostenpunkt: 340 Euro.
Über die Ärztin
Dr. Jennifer Kager
ist Fachärztin für Allgemein- und Viszeralchirurgie mit dem Schwerpunkt der ästhetischen Medizin bei Ordination Rieder Kager