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Leichte Verbesserung bei Zahnzustand der heimischen Kinder

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42 Prozent der Kinder haben Karieserfahrung
©APA/APA/dpa/Rolf Vennenbernd
Der Zustand der Zähne der Kinder in Österreich hat sich leicht verbessert. Forschende der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) haben den Status in den vergangenen beiden Jahren erhoben, der letzte Bericht datiert aus 2016. Die Bildung der Eltern und der Migrationshintergrund haben Einfluss auf die Mundhygiene. Daher hat eine Optimierung der Präventions- und Versorgungsstrategien ganz viel mit der Reduktion sozialer und regionaler Disparitäten zu tun, wurde am Mittwoch resümiert.

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Probleme mit den Zähnen würden nicht nur Schmerzen verursachen, sondern auch weitreichende gesundheitliche Folgen haben, sagte die Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit und Sektionsleiterin im Gesundheitsministerium, Katharina Reich, bei der Tagung, bei der der neue Bericht präsentiert wurde. Die Bedeutung der Mundgesundheit sei in den vergangenen Jahren zunehmend in den gesundheitspolitischen Fokus gerückt. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat 2021 eine wegweisende Resolution diesbezüglich verabschiedet, dass die Mitgliedstaaten Prävention und zahnmedizinische Behandlung stärker in die allgemeine Gesundheitspolitik integrieren sollten. Laut GÖG ist die Karies trotz einfacher Präventionsmaßnahmen wie regelmäßiger Mundhygiene, der Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasta und einer zahnfreundlichen Ernährung nach wie vor die häufigste chronische Erkrankung in dieser Altersgruppe.

Die Autoren Tanja Schwarz und Benjamin Kölldorfer von der GÖG haben für ihren Bericht 4.084 sechs- bis siebenjährige Kinder aus ersten Volksschulklassen untersucht. Das entspricht 2,3 Prozent aller in Österreich lebenden Erstklässlerinnen und Erstklässler. Ziel war es, die Zahngesundheit und das Mundgesundheitsverhalten zu erheben. Weil WHO-Ziel ist es, dass 80 Prozent der Kinder im Alter von sechs Jahren kariesfrei sein sollten, was in Österreich bei weitem nicht erreicht wird. Auch kindliche Zahnschmelzdefekte sollten erstmals erhoben werden. Die Daten sollten nicht nur als Monitoring, sondern auch für die gesundheitspolitische Planung und Steuerung dienen. Denn Maßnahmen würden in diesem Bereich bei Kindern relativ schnell Wirkung zeigen, sagte GÖG-Geschäftsführer Herwig Ostermann.

Kinder im Alter von sechs bis sieben Jahren befinden sich bereits im Zahnwechsel, sodass in diesem Alter kein vollständiges Milchgebiss mehr vorliegt. Dennoch haben bereits 42 Prozent in dieser Altersgruppe Erfahrung mit Karies. Im Vergleich mit den Daten aus dem Jahr 2016 bedeutet das einen leichten Rückgang, damals lag der Wert noch bei 45 Prozent. Im Bundesländervergleich gab es deutliche regionale Unterschiede. Die niedrigsten Prävalenzwerte weisen Tirol mit 28 Prozent, die Steiermark mit 32 Prozent, Vorarlberg mit 35 Prozent und Kärnten mit 41 Prozent auf. Im Gegensatz dazu ist die Karieserfahrung in Niederösterreich mit 54 Prozent, dem Burgenland mit 49 Prozent, Oberösterreich mit ebenfalls 49 Prozent, Salzburg mit 46 Prozent und Wien mit ebenfalls 46 Prozent noch weiter überdurchschnittlich hoch.

Der Anteil der Kinder mit Karieserfahrung steigt mit abnehmendem Bildungsniveau der Eltern. Besonders ausgeprägt sei laut Bericht dieser Zusammenhang bei Kindern, deren Eltern maximal einen Abschluss der Sekundarstufe I haben, im Vergleich zu jenen, deren Eltern über einen Abschluss der Sekundarstufe II verfügen. Zudem weisen Kinder mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufig kariöse, fehlende oder gefüllte Milchzähne auf. 25 Prozent der untersuchten Kinder hatten Migrationshintergrund und 43 Prozent der Eltern einen tertiären Bildungsabschluss.

Trotz des rückläufigen Trends benötigen 29 Prozent der Kinder aufgrund unbehandelter Milchzahnkaries eine zahnmedizinische Behandlung. Der Sanierungsgrad, also der Anteil gefüllter Milchzähne an der Gesamtzahl kariöser Milchzähne, liegt bei 28 Prozent und zeigt kaum Verbesserungen gegenüber früheren Erhebungen. Dies weist darauf hin, dass weiterhin Barrieren bei der Inanspruchnahme zahnmedizinischer Behandlungen im Milchgebiss bestehen.

Neben Karies gewinnen Zahnschmelzbildungsstörungen zunehmend an Bedeutung. Eine Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) wurde bei 13 Prozent der Kinder festgestellt, während Hypomineralisationen in der Milchzahndentition (MMH) bei fünf Prozent der Kinder beobachtet wurden. Bei 15 Prozent der Kinder waren Hypomineralisationen sowohl an Milchzähnen als auch an bleibenden Zähnen vorhanden. Diese Entwicklungen unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Forschung zu Ursachen und Versorgungsstrategien.

Die Ergebnisse zeigten, dass der Ausbau präventiver Maßnahmen und das Schließen bestehender Versorgungslücken notwendig sind. Eine frühzeitige, zielgruppenspezifische Aufklärung der Eltern über Kariesprävention sowie eine Einbindung zahnmedizinischer Untersuchungen in den Eltern-Kind-Pass könnten dazu beitragen, den Zugang zu zahnmedizinischer Betreuung zu verbessern und das Bewusstsein für präventive Maßnahmen zu schärfen, so die GÖG.

ARCHIV - 23.10.2023, Nordrhein-Westfalen, Mönchengladbach: Ein Zahnarzt schaut sich mit einem Spiegel die Zähne einer Patientin an. (zu dpa: «Kariesbekämpfung «hervorragend» - aber Parodontitis Problem») Foto: Rolf Vennenbernd/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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