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Wintertourismus braucht Antwort auf Klimawandel

Aktualisiert
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Beschneiung soll bis weit über die 2050er-Jahre hinaus möglich sein
©APA/APA/THEMENBILD/EXPA/JOHANN GRODER
Auf die zunehmende Erwärmung muss sich auch der Wintertourismus einstellen. "Wir merken das mit dem Klimawandel natürlich auch", räumt der Bürgermeister von Lech am Arlberg, Gerhard Lucian, ein. "Solange wir in einer gewissen Höhe sind, haben wir genügend Schnee." Eine große Hilfe sind freilich die Beschneiungsanlagen. Doch eine Ausdehnung des touristischen Angebots in Richtung Ganzjahrestourismus ist ebenfalls Teil der Umstellung in der Branche.

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In Lech gibt es seit Anfang der 70er-Jahre Schneeanlagen, "damit wir unsere Wintersaisonen auch wirklich die fünf Monate betreiben können", sagte Lucian im Rahmen des Tourismus-Symposions der Wirtschaftskammer Österreich am Arlberg. Für die Gemeinde ist das überlebenswichtig. "Lech lebt zu 100 Prozent vom Tourismus." Im Rahmen des Klimawandels und aus Gründen der Wirtschaftlichkeit sollte der Ganzjahrestourismus seiner Meinung nach ausgeweitet werden.

"Das ist ein Prozess - von heute auf morgen geht das nicht", weiß der Bürgermeister. Mittlerweile seien es in Lech fünf Hotels, die im Sommer offen haben. "Der Sommer steigert sich langsam", sagt Lucian. Wenn fast das ganze Jahr über gearbeitet werden kann, ist gutes Personal leichter zu finden und zu halten.

Auch die Bergbahnen halten fünf der 14 betriebenen Anlagen in Lech von Mitte Juni bis Anfang Oktober offen. Kostendeckend ist das (noch) nicht. Doch die Bergbahnen wollen laut Nussbaumer "einen Beitrag leisten, den Ganzjahrestourismus zu ermöglichen".

"Wir sehen, dass wir im Winterbereich einen Plafond erreicht haben und sehen Potenzial in den grünen Monaten", fügte er hinzu. Im Sommer kämen auch immer mehr Leute. "Die Region ist sensationell und in den heißen Sommermonaten spüren wir schon einen gewissen Zug in die Alpen", berichtet Nussbaumer. Dort ist es kühler.

Wanderwege und Klettermöglichkeiten gebe es rund um Lech am Arlberg genug, die Mountainbikestrecken könne man noch erweitern, so Lucian. Von diesem Projekt sind aber noch einige Grundbesitzer zu überzeugen.

"Wir müssen auch den nächsten Schritt machen, weil es eine Veränderung gibt", bekräftigt der Chef der Lech Bergbahnen AG, Klaus Nussbaumer. "Der Schnee kommt jedes Jahr, aber wir wissen nicht, wann er kommt - aber wir wissen, wann die Gäste kommen", erklärt der Bergbahnen-Vorstand. Die Wasserreservoirs sollen jedenfalls werden. "Wir haben ausreichend kalte Nächte, um die Beschneiung laut heutigen Prognosen weit über die 2050er-Jahre hinaus möglich zu machen", ist Nussbaumer überzeugt.

Diese Zuversicht teilt auch die Gletscher- und Gebirgsforscherin Andrea Fischer. Die heimischen Skigebiete können ihrer Meinung nach dank der Beschneiungsmöglichkeiten auch in Zukunft gut genutzt werden. "Die Talabfahrten auflassen ist ein Schritt, der sinnvoll ist und er kostet nichts", merkte sie mit Blick auf lokalen Schneemangel an. Das geschieht auch bereits.

"Die Jahresmitteltemperatur in den Gebirgen geht nach oben", hält die Wissenschaftlerin des Jahres 2023 von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) fest. Das treffe den Tourismus vor allem im Dezember, da werde es eine Verschiebung nach hinten geben. "Die natürliche Schneedecke wird weiter zurückgehen, vor allem in mittleren Lagen."

Beim Gletscher sehe man einen Rückzug um 5 Prozent pro Jahr. "Bis 2030 wird der Gletscher um ein Drittel reduziert werden", so die Glaziologin. "Bis zum Ende des Jahrhunderts haben wir in den Westalpen nur noch sehr wenige Gletscher", so die Erwartung.

Generell effektive Maßnahmen in Reaktion auf den Klimawandel wären der Verzicht auf Autos und die Einschränkung des Konsums. Das gelte aber als politisch schwer durchsetzbar. "Eine Reduktion der Treibhausgase ist durchaus nötig." Das Klima verändert sich in schnellen Sprüngen. "Das kann sich schon aufschaukeln, das kann für uns natürlich sehr ungesund ausgehen", so Fischer.

In Vorarlberg muss das Wasser für die Beschneiung laut Lucian Trinkwasserqualität haben, Badewasserqualität reicht nicht aus. Eine Frage sei auch, wie man die Alpen in höheren Lagen in einer trockeneren Zukunft mit Wasser versorgen könne.

Ganzjahrestourismus scheint angesichts der zunehmenden Erwärmung ein Mittel der Wahl zu sein. Das sieht auch der Hotelier und Unternehmer Joschi Walch so. "2007 verkaufte ich mein Catering-Unternehmen sehr gut und investierte in den Sommer und wir fokussierten uns auf Essen", erklärte der Chef des Rote Wand Gourmethotels in Lech.

Das ganze Jahr über offen zu halten, habe er "noch nicht ganz geschafft", aber eine Zusatzsaison von Mitte Juni bis Ende Oktober. "Jeder Mitarbeiter, der will, wird das ganze Jahr beschäftigt - die beschäftigen wir durch, weil wir durchrechnen", erklärt der leidenschaftliche Koch.

"Wir sind als Tourismusland privilegiert, dass wir eine Sommer- und Wintertourismuswirtschaft haben - das ist ein großes Glück", betont der Tourismusexperte des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo), Oliver Fritz, unter Verweis auf mediterrane Destinationen wie etwa Griechenland oder Portugal, die das nicht in dem Ausmaß vorweisen können.

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